Ein diplomatischer Marathon im Weißen Haus: US-Präsident Donald Trump (80) empfing am Dienstag nacheinander den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (76) zu vertraulichen Gesprächen im Oval Office. Beide Treffen fanden hinter verschlossenen Türen und ohne Presse statt – ein kleiner Rückschlag für beide Besucher.
Selenskyj: Vom Buhmann zum Siegertypen
Den Auftakt machte der ukrainische Präsident, der sich im Trump-Lager vom Buhmann zum Siegertypen wandelte. Trump zeigte sich beeindruckt von Kiews militärischen Erfolgen, insbesondere von Drohnenangriffen auf Moskau und andere Ziele tief in Russland. Selenskyj nutzte das politische Tauwetter, um dringend benötigte Patriot-Luftabwehrsysteme zu erhalten. Das Treffen verlief Berichten zufolge freundlich; das ukrainische Präsidialamt veröffentlichte anschließend Schnappschüsse aus dem Oval Office.
Netanjahu unter Beschuss
Später kam der israelische Premier, der bereits vor seinem Besuch ins offene Sperrfeuer geraten war. Einst galt Netanjahu als Trumps engster internationaler Verbündeter, doch der festgefahrene Iran-Krieg hat einen Keil zwischen beide getrieben. Laut Insidern ist Trump noch immer wütend, weil „Bibi“ ihn mit dem Versprechen eines schnellen Sieges in den Krieg gelockt haben soll. Netanjahus Ziel, Trump auf einen gemeinsamen Kriegskurs einzuschwören, schien daher bereits vor der Visite unerreichbar. Trump äußerte sich abfällig: „Er will, dass ich im Krieg engagiert bleibe.“ Als Netanjahu neue Geheimdienstinformationen über Irans unterirdische Atomanlage am „Pickaxe Mountain“ präsentieren wollte, wies Trump ihn schroff zurück: „Ich brauche Bibi nicht, um mir das zu sagen.“
Gemeinsame Trauerfeier für Senator Lindsey Graham
Nach den Treffen mit Trump nahmen beide Staatschefs an der Trauerfeier für den am 11. Juli verstorbenen Senator Lindsey Graham teil. Der Republikaner war Trumps wichtigster „Ukraine-Flüsterer“ und zugleich ein eiserner Unterstützer Netanjahus. Selenskyj und Netanjahu betonten gemeinsam, wie nahe Graham ihren Ländern jeweils gestanden habe. Die Teilnahme an der Zeremonie unterstrich die Verbundenheit beider Führer mit dem verstorbenen Senator.
Die aufeinanderfolgenden Visiten im Oval Office verdeutlichen die komplexen Beziehungen Trumps zu den beiden Staatsmännern und die anhaltenden Konflikte in der Ukraine und im Iran.



