Baerbock fordert eine Frau als nächste UN-Generalsekretärin
Baerbock will eine Frau als UN-Chefin

Die scheidende Präsidentin der Uno-Generalversammlung, Annalena Baerbock, hat sich explizit für eine Nachfolgerin von Uno-Generalsekretär António Guterres ausgesprochen. „Es ist Zeit für eine Frau“, sagte Baerbock der „Süddeutschen Zeitung“ vom Mittwoch. Bislang hatten ausschließlich Männer das mächtigste Amt bei den Vereinten Nationen inne. „Die Hälfte der Menschheit sind Frauen und Mädchen“, sagte Baerbock. „Wie möchte eine Institution, die acht Milliarden Menschen vertritt und seit 80 Jahren für Menschenrechte einsteht, erklären können, dass sie auch nach acht Jahrzehnten erneut keine Frau an ihrer Spitze finden kann?“

Nur Männer an der Spitze

Seit Gründung der Vereinten Nationen 1945 standen neun Männer an der Spitze der Organisation, darunter der Portugiese António Guterres, dessen Amtszeit im Dezember 2026 endet. Die Forderung von Baerbock fällt in eine Zeit, in der die UN zunehmend unter Druck geraten, ihre Führungspositionen diverser zu besetzen. Die scheidende Präsidentin der Generalversammlung betonte, dass es höchste Zeit sei, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren.

Der Auswahlprozess

Als Präsidentin der Generalversammlung moderiert Baerbock den Prozess zur Findung eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin von Guterres. Derzeit gibt es vier Bewerberinnen und zwei Bewerber für das Amt. Eine eigene Kandidatur schloss Baerbock jedoch aus. Auf die Frage, ob sie sich nicht vielleicht doch noch als Uno-Generalsekretärin bewerben wolle, sagte sie: „Nein. Nach den ungeschriebenen Rotationsregeln ist Lateinamerika dran. Es gibt hervorragende Frauen aus dieser Region.“ Tatsächlich war die Region Lateinamerika und die Karibik seit 1971 nicht mehr an der Spitze der UN vertreten, als der Peruaner Javier Pérez de Cuéllar das Amt übernahm.

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Anfeindungen gegen Frauen in Führungspositionen

Baerbock sprach in dem Interview auch über die Anfeindungen, denen Frauen in Führungspositionen ausgesetzt sind. „Gut gelaunte Frauen in Machtpositionen sind für manche Männer weiterhin keine Selbstverständlichkeit, sondern offensichtlich der schlimmste Trigger“, sagte sie. „Wir sind aber mittlerweile zu viele. Und wir Frauen werden uns nicht dafür entschuldigen oder gar aufhören, selbstbewusst, erfolgreich und zugleich lebensfroh zu sein.“

Dank an Merkel

Auf die Frage, welche Frauen ihr in diesem Sinne die Türen für ihre politische Karriere geöffnet hätten, sagte Baerbock: „Ohne Angela Merkel als Kanzlerin wäre ich wahrscheinlich niemals erste weibliche Außenministerin geworden.“ Die ehemalige Bundeskanzlerin habe ihr den Weg geebnet und gezeigt, dass Frauen in höchsten Ämtern erfolgreich sein können. Baerbock selbst war die erste Frau an der Spitze des Auswärtigen Amtes und ist nun die erste Frau, die die Uno-Generalversammlung präsidiert.

Mit ihrer klaren Forderung nach einer Frau als nächster UN-Generalsekretärin setzt Baerbock ein starkes Zeichen. Ob sich die Staatengemeinschaft darauf einigen kann, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im Herbst, wenn die Generalversammlung über die Nachfolge von Guterres abstimmt.

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