Nach sechs Jahren Krise hat es mittlerweile fast etwas von Normalität: Deutschland wird von einem externen Schock getroffen. Politik, Unternehmen und Verbraucher reagieren oder lernen zumindest, damit zu leben. Doch der von Wirtschaftsforschern zunächst erwartete und von allen erhoffte Aufschwung wird dann doch wieder abgesagt. Denn schon steht der nächste Schock ins Haus. So war der Lauf der Dinge durch die Corona-Pandemie, Russlands Angriffskrieg und Trumps Zollkrieg.
Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung war ohnehin fragil. Der Irankrieg macht sie nun noch unsicherer, und der Ölpreis wird zur Schlüsselfrage für Wachstum und Preise. Wie schlimm es werden könnte, zeigt eine aktuelle Analyse.
Steigende Ölpreise belasten die Konjunktur
Ein weiterer Anstieg der Ölpreise würde die deutsche Wirtschaft hart treffen. Besonders energieintensive Industrien wie die Chemie- und Automobilbranche wären betroffen. Höhere Produktionskosten könnten zu Preiserhöhungen und einem Rückgang der Nachfrage führen. Verbraucher müssten sich auf steigende Heiz- und Spritkosten einstellen, was die Kaufkraft schwächt.
Rezessionsrisiko steigt deutlich an
Ökonomen warnen vor einer möglichen technischen Rezession, definiert als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung. Sollte der Ölpreis dauerhaft hoch bleiben, könnte das Bruttoinlandsprodukt 2024 um bis zu 0,5 Prozent schrumpfen. Die Bundesregierung müsste ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigieren.
Die Unsicherheit belastet auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Viele verschieben geplante Ausgaben, was die Konjunktur weiter dämpft. Der Arbeitsmarkt könnte ebenfalls leiden, wenn Firmen Stellen abbauen oder Einstellungen stoppen.
Politische Reaktionen gefordert
Die Politik steht vor der Herausforderung, mit gezielten Maßnahmen gegenzusteuern. Diskutiert werden Entlastungspakete für Verbraucher, Hilfen für besonders betroffene Branchen sowie eine beschleunigte Energiewende, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern. Die Europäische Zentralbank könnte ihre Geldpolitik anpassen, um die Inflation zu kontrollieren, ohne das Wachstum zu stark zu bremsen.
Ob Deutschland tatsächlich in eine Rezession rutscht, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Irankriegs und der Ölpreise ab. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die deutsche Wirtschaft erneut einen externen Schock verkraften kann oder ob die Krise sich weiter verschärft.



