Griechenland: Wirtschaftsforscher warnen vor politischer Instabilität
Wirtschaftsforscher warnen vor politischer Instabilität in Griechenland

Griechenland hat im ersten Halbjahr 2026 sein wirtschaftliches Comeback fortgesetzt, doch die politische Zukunft trübt die Aussichten. Das unternehmernahe Wirtschaftsforschungsinstitut IOBE warnt in seinem jüngsten Quartalsbericht vor zunehmender politischer Unsicherheit vor der nächsten Parlamentswahl. Das Land befinde sich faktisch bereits im Wahlkampf, was weder für Unternehmen noch für die Wirtschaft insgesamt gut sei.

Wachstum und Haushaltsüberschüsse als Erfolgsbilanz

Die EU-Kommission erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent – doppelt so hoch wie der Durchschnitt im Euroraum. Die Arbeitslosigkeit fiel auf den niedrigsten Stand seit 18 Jahren, und die Konsolidierung der Staatsfinanzen kommt schneller voran als erwartet. Der Primärüberschuss lag im ersten Halbjahr bei 4,5 Milliarden Euro, mehr als doppelt so hoch wie im Haushaltsplan vorgesehen. Die Schuldenquote sank von 212,9 Prozent (erstes Quartal 2021) auf 143,8 Prozent der Wirtschaftsleistung (erstes Quartal 2026).

Doch die Kontinuität dieser Erfolgsgeschichte ist nicht garantiert. IOBE-Präsident Yannis Retsos sagte bei der Vorstellung des Quartalsberichts: „Die mögliche politische Instabilität ist das größte Problem der kommenden zwölf Monate.“ Auch Generalsekretär Nikos Vettas mahnte, der bisherige Aufschwung garantiere keineswegs dauerhaft hohe Wachstumsraten. Voraussetzung seien „politische Stabilität, Glaubwürdigkeit der Politik und Reformen, die das Wachstum stützen“.

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Wahlkampf und sinkende Umfragewerte für Mitsotakis

Spätestens im Frühjahr 2027 muss in Griechenland ein neues Parlament gewählt werden, doch Beobachter halten vorgezogene Neuwahlen bereits im Herbst für möglich. Premier Kyriakos Mitsotakis steht vor einer schwierigeren Wahl als 2023, als seine konservative Nea Dimokratia (ND) mit knapp 41 Prozent eine absolute Mehrheit gewann. Aktuelle Umfragen sehen die ND nur noch bei rund 30 Prozent – weit entfernt von den 38 Prozent, die nach griechischem Wahlrecht für eine Alleinregierung nötig wären. Ein möglicher Koalitionspartner ist in der stark zersplitterten Parteienlandschaft nicht in Sicht.

Die Oppositionspartei ELAS des früheren Ministerpräsidenten Alexis Tsipras hat sich wenige Wochen nach ihrer Gründung auf Platz zwei etabliert, allerdings mit mehr als zehn Prozentpunkten Abstand zur ND. Die Regierungspartei verliert zudem Stimmen an rechtspopulistische Parteien. Laut einer Umfrage des Instituts Marc Ende Juni äußerten sich 64 Prozent der Befragten „unzufrieden“ oder „eher unzufrieden“ mit der Regierung.

Warnung vor kostspieligen Wahlgeschenken

Die Wirtschaftsforscher des IOBE warnen eindringlich vor teuren Wahlgeschenken. In Wahljahren gebe es stets eine Tendenz zu größerer Flexibilität bei den Ausgaben, so Vettas diplomatisch. Entscheidend sei, öffentliche Mittel gezielt einzusetzen, um Produktivität und Wachstum zu stärken. Die fiskalische Disziplin galt bisher als wichtigste wirtschaftspolitische Leistung der Regierung Mitsotakis. Griechenland erzielt seit drei Jahren Haushaltsüberschüsse – ein bemerkenswerter Wandel vom einstigen Defizitsünder.

Doch chronische strukturelle Probleme sind weiterhin ungelöst: schwache Produktivität, zu geringe Investitionsquote, niedrige Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie ein hohes Leistungsbilanzdefizit. Letzteres vergrößert sich trotz des Tourismusbooms. Die Realeinkommen liegen noch unter dem Niveau von 2009, als die Schuldenkrise begann, und die Mieten sind in fünf Jahren doppelt so stark gestiegen wie die Einkommen.

Hoffnung auf klare Mehrheitsverhältnisse

Premier Mitsotakis hält am Ziel einer Alleinregierung fest. Sollte die ND die 38-Prozent-Marke verfehlen, könnte er auf Neuwahlen setzen. Vielleicht hilft ihm der Wunsch vieler Wähler: Laut einer Umfrage des Instituts „Interview“ von Anfang Juli hoffen 49 Prozent auf eine Regierung mit absoluter Mehrheit. Die Unsicherheit bleibt jedoch groß – und mit ihr die Gefahr, dass der wirtschaftliche Aufschwung an Dynamik verliert.

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