Studie zeigt: Viele Beschäftigte in der Privatwirtschaft erhalten kein Urlaubsgeld
Eine aktuelle Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass nur 44 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft in diesem Jahr Urlaubsgeld erhalten. Arbeitnehmer mit Tarifvertrag sind dabei deutlich im Vorteil: 73 Prozent von ihnen bekommen die Sonderzahlung, während es bei Beschäftigten ohne Tarifbindung nur 27 Prozent sind. Zudem haben tarifgebundene Arbeitnehmer im Durchschnitt mehr Urlaubstage.
„Wenn der Tarifvertrag fehlt, fehlt meist auch das Urlaubsgeld – und auch die Grundgehälter sind im Durchschnitt niedriger“, erklärte WSI-Lohnexperte Malte Lübker. „Das ist ein Befund, der seit Jahren stabil ist.“ Besorgniserregend sei der anhaltende Rückgang der Tarifbindung. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt diese heute nur noch bei 49 Prozent, während sie Mitte der 1990er Jahre noch bei rund 80 Prozent lag.
Ungleiche Verteilung nach Geschlecht und Region
Die Chancen auf Urlaubsgeld sind ungleich verteilt. So erhalten 49 Prozent der Männer in der Privatwirtschaft die Sonderzahlung, aber nur 38 Prozent der Frauen. Auch Beschäftigte in Ostdeutschland gehen häufiger leer aus als ihre Kollegen im Westen. Das WSI führt dies unter anderem auf die niedrigere Tarifbindung in Ostdeutschland zurück.
Es gibt jedoch Branchen und Großunternehmen mit bundesweiten Tarifverträgen, in denen keine Ost-West-Unterschiede mehr bestehen. Dazu zählen das Versicherungsgewerbe, das Gebäudereinigungshandwerk, die Deutsche Bahn AG, die Druckindustrie und die chemische Industrie.
Branchenunterschiede beim Urlaubsgeld
Die Höhe des Urlaubsgeldes variiert stark je nach Branche. „In den klassischen Niedriglohnbranchen wird in der Regel nur ein niedrigeres Urlaubsgeld gezahlt“, sagte Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. So erhalten Arbeitnehmer in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern lediglich 186 Euro, während Angestellte in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe bis zu 2904 Euro bekommen.
Die Daten zur Häufigkeit des Urlaubsgeldes basieren auf einer Online-Erhebung des WSI-Portals Lohnspiegel.de, an der zwischen dem 1. Mai 2025 und dem 31. Mai 2026 rund 50.000 Beschäftigte teilnahmen. Die Ergebnisse sind laut WSI nicht repräsentativ, erlauben aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die Arbeitswelt.
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