Allianz-Chef Bäte: „Die Party ist zu Ende“ – Reformen dringend nötig
Allianz-Chef Bäte: „Die Party ist zu Ende“

Der Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns Allianz, Oliver Bäte (61), hat ein knallhartes Umsteuern in zentralen Fragen von Staat und Gesellschaft gefordert. Er warnt vor Gefahren für die Demokratie und stellt klar: „Die Party ist zu Ende.“ Die vergangenen Jahre hätten sich viele Dinge nur leisten können, weil Unternehmen dies finanzierten und die Produktivität höher war als anderswo. Nun seien grundlegende Reformen nötig.

Lob für Kapitalrente, Kritik am Umlagesystem

Bäte, dessen Dax-Konzern weltweit 126 Millionen Kunden hat, lobt die geplante Kapitalrente bei der gesetzlichen Altersvorsorge. Zugleich spricht er sich für ähnlich harte Reformen bei Pflege und Gesundheit aus. Das Umlagesystem der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sei auf Dauer nicht finanzierbar, sagte Bäte dem „Handelsblatt“. Ohne grundsätzliches Umdenken drohten Versicherten und Unternehmen deutlich höhere Lohnnebenkosten.

Drastische Einsparungen im Gesundheitswesen gefordert

Der Versicherungsmanager sieht Lösungen in besserer Steuerung und drastischen Einsparungen. Als Beispiele nennt er den Wegfall von einem Drittel aller Krankenhausbetten, weniger Knieprothesen und Hüftoperationen – „rund die Hälfte davon halten Experten für nicht erforderlich“ – und weniger Medikamente wie Cholesterinsenker. Selbst mit einem Kapitalanteil wären Versicherte langfristig und spürbar stärker belastet, da das bisherige GKV-System weiter finanziert werden müsste.

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Sanktionen für mangelnde Gesundheitsvorsorge

Bäte will auch Sanktionen für diejenigen, die zu wenig auf ihre Gesundheit achten, sich schlecht ernähren, rauchen oder Vorsorge schwänzen. „Ich finde es grundsätzlich falsch, dass die Gesellschaft dafür zahlt, dass einzelne Menschen keine Verantwortung für sich übernehmen“, sagte er. Nicht jeder sei Opfer seiner DNA, seiner Eltern oder seiner Schule.

System insgesamt nicht mehr stabil

Der Allianz-Chef zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand der deutschen Versorgungssysteme. „Es ist nicht ein einzelner Faktor oder eine bestimmte Interessengruppe, die das Sozialsystem an den Rand der Leistungsfähigkeit bringt – nicht die Reichen, nicht die Armen, nicht die Gewerkschaften. Das System ist insgesamt nicht mehr stabil.“ Wichtig sei, dass die Bundesregierung nun wirklich einen großen Reformwurf wagt.

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