Anja Mikus: Von Atommüll zu Renten – Milliarden-Managerin soll Altersvorsorge reformieren
Anja Mikus: Von Atommüll zu Renten – Milliarden-Managerin

Milliarden-Managerin wechselt von Atommüll zu Rentenfonds

Anja Mikus, die bisher als Geschäftsführerin des Kenfo (Kernenergie-Finanzierungsfonds) für die sichere Verwaltung von Milliardenbeträgen zur Entsorgung von Atommüll zuständig war, soll künftig eine Schlüsselrolle bei der Reform der deutschen Altersvorsorge spielen. Die promovierte Finanzmanagerin wurde von der Bundesregierung beauftragt, die geplante Kapitalrente – auch als Aktienrente bekannt – aufzubauen und zu verwalten. Das Ziel: Die gesetzliche Rente durch Kapitalmarkterträge stabilisieren und langfristig die Beitragszahler entlasten.

Vom Kenfo zur Kapitalrente: Mikus‘ neue Aufgabe

Der Kenfo wurde 2017 gegründet, um die Rückstellungen der Atomkraftwerksbetreiber für den Rückbau und die Endlagerung zu bündeln und gewinnbringend anzulegen. Unter Mikus‘ Führung verwaltet der Fonds inzwischen ein Vermögen von rund 24 Milliarden Euro, das zu einem großen Teil in Aktien und Anleihen investiert ist. Diese Erfahrung soll nun auch der neuen kapitalgedeckten Säule der Rentenversicherung zugutekommen. „Millionen Menschen in Deutschland können profitieren“, sagte Mikus dem SPIEGEL. Die Kapitalrente soll ab 2027 schrittweise eingeführt werden und zunächst mit einem Volumen von etwa zehn Milliarden Euro starten.

Reform der Altersvorsorge: So funktioniert die Kapitalrente

Die Kapitalrente ist ein zentrales Element der Rentenreform der Ampel-Koalition. Anders als die umlagefinanzierte gesetzliche Rente, bei der die Beiträge der Erwerbstätigen direkt an die Rentner ausgezahlt werden, fließt das Geld in einen Fonds, der am Kapitalmarkt angelegt wird. Die Erträge sollen später zur Finanzierung der Renten beitragen. Die Bundesregierung erhofft sich dadurch eine Entlastung der Beitragszahler um bis zu 0,5 Prozentpunkte bis 2035. Kritiker warnen jedoch vor Risiken durch Kursschwankungen an den Börsen. Mikus betont, dass der Fonds langfristig und risikoarm investieren werde – ähnlich wie der Kenfo, der trotz schwieriger Marktphasen stabile Renditen erzielt habe.

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Expertenstimmen: Chancen und Risiken der Aktienrente

Befürworter der Kapitalrente verweisen auf internationale Vorbilder wie Schweden oder die Niederlande, wo solche Modelle bereits erfolgreich praktiziert werden. „Deutschland hinkt bei der Kapitaldeckung hinterher. Es ist höchste Zeit, dass wir die Chancen des Kapitalmarkts für die Alterssicherung nutzen“, sagt Ökonom Prof. Dr. Stefan Bach vom DIW Berlin. Kritiker wie der Sozialverband VdK befürchten dagegen, dass die Renditen unsicher seien und die gesetzliche Rente weiter geschwächt werde. „Die Kapitalrente darf nicht als Vorwand dienen, um das Umlagesystem zu kürzen“, warnt Verena Bentele, VdK-Präsidentin.

Mikus‘ Erfolgsbilanz: Vom Atomfonds zum Rentenfonds

Anja Mikus ist keine Unbekannte in der Finanzbranche. Die promovierte Volkswirtin startete ihre Karriere bei der Deutschen Bundesbank und war später in Führungspositionen bei der KfW und der Commerzbank tätig. Seit 2017 leitet sie den Kenfo, der als einer der größten Staatsfonds Deutschlands gilt. Unter ihrer Ägide erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 4,2 Prozent – trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten. „Diese Erfahrung ist Gold wert für die neue Kapitalrente“, sagt ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Mikus soll den neuen Rentenfonds zunächst parallel zum Kenfo führen, bevor sie sich ganz auf die Altersvorsorge konzentriert.

Ausblick: Die Zukunft der Rente in Deutschland

Die Einführung der Kapitalrente ist ein politisch umstrittenes Projekt. Während die FDP und Teile der Union die Reform befürworten, lehnen Linke und Grüne sie teilweise ab. Die SPD zeigt sich gespalten. Mikus selbst zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben beim Kenfo bewiesen, dass staatliche Fonds verantwortungsvoll und gewinnbringend am Kapitalmarkt agieren können. Dieses Know-how werden wir jetzt für die Rente nutzen.“ Die ersten Auszahlungen aus der Kapitalrente sind für das Jahr 2032 geplant. Bis dahin soll das Fondsvolumen auf 50 Milliarden Euro anwachsen.

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