Eine aktuelle Studie mit 86.000 Kindern aus norwegischen Familien belegt: Die Neigung zu Übergewicht ist stärker erblich als bislang gedacht. Veröffentlicht im Fachblatt PLOS, zeigt die Untersuchung, dass der Body-Mass-Index (BMI) von Kindern zu 79 Prozent durch die Gene der Eltern bestimmt wird. Familiäre Essgewohnheiten haben hingegen einen geringeren Einfluss als bisher angenommen.
Studie widerlegt bisherige Annahmen
Bislang gingen Forschende davon aus, dass vor allem die Essgewohnheiten in der Familie darüber entscheiden, ob Kinder übergewichtig werden. Ein australisch-norwegisches Forschungsteam nutzte die „Norwegische Mutter-Vater-Kind-Kohorte“, eine Sammlung von Daten über Kinder, die zwischen 1999 und 2009 geboren wurden. Erfasst wurden Essgewohnheiten, Geburtsgewicht und BMI-Veränderungen bis zum achten Lebensjahr. Auch Zwillings- und Geschwisterbeziehungen wurden analysiert, um den genetischen Einfluss zu berechnen.
Erblichkeit des BMI: 79 Prozent
Die Forscher ermittelten, dass der BMI von Kindern zu 79 Prozent durch genetische Faktoren erklärt wird. Dies ist ein sehr hoher Erblichkeitswert, vergleichbar mit der Körpergröße, die zu etwa 80 Prozent von Genvarianten abhängt. „Der BMI von Kindern wird zu einem Großteil von den Genen der Eltern beeinflusst, weniger von der Umwelt, etwa dem Essverhalten“, erklären die Autoren der Studie.
Einfluss der Mutter verblasst nach zwei Jahren
Zunächst ähnelt der BMI von Neugeborenen vor allem dem der Mutter – vermutlich aufgrund ihres Einflusses auf die Ernährung des Embryos während der Schwangerschaft. Doch ab dem Alter von zwei Jahren verblasst dieser Effekt, und die Prägung durch die elterlichen Gene setzt sich durch. Die Studie zeigt jedoch auch, dass Fettleibigkeit bei Kindern mit genetischer Veranlagung nicht unvermeidlich ist. „Kinder mit genetischer Veranlagung für höhere BMI-Werte können im Laufe ihres Lebens durchaus beeinflussen, wie stark sich ihre Gene letztlich auf ihre Statur auswirken“, betonen die Forscher.
Lebensstil bleibt entscheidend
Trotz der starken genetischen Komponente bleibt der Lebensstil ein wichtiger Faktor. Hunderte Gene legen die Grundlage für Körpergewicht und Fettspeicherung, doch jeder Mensch kann durch Ernährung und Bewegung selbst bestimmen, wie stark diese Gene zur Geltung kommen. Die Studie unterstreicht, dass genetische Veranlagung kein Schicksal ist, sondern durch bewusste Entscheidungen beeinflusst werden kann.



