Colbitzer Heide-Brauerei pleite: Traditionsbetrieb aus dem 19. Jahrhundert betroffen
Die Bierkrise in Deutschland fordert das nächste Opfer: Nachdem die Brauerei Hofbrauhaus Wolters im Juni Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hatte, ist nun auch ihre Tochtergesellschaft, die Colbitzer Heide-Brauerei GmbH, zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Braunschweig stellte am 3. Juli 2026 die vorläufige Verwaltung über das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt. Die Wurzeln der Muttergesellschaft Wolters reichen bis ins Jahr 1627 zurück, während die Colbitzer Brauerei 1816 als Obergärige Gutsbrauerei Colbitz gegründet wurde. Seit 2013 gehört sie vollständig zu Wolters.
Insolvenz in Eigenverwaltung: Betrieb läuft vorerst weiter
Trotz der Insolvenz läuft der Geschäftsbetrieb normal weiter. Die Löhne und Gehälter der Belegschaft sind gesichert. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Torsten Gutmann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH in Braunschweig bestellt. Gutmann erklärte gegenüber BILD: „Wir haben uns bereits einen ersten Überblick verschafft und führen beide Betriebe fort. Die Bierproduktion der Colbitzer Heide-Brauerei geht also weiter, und auch die Wolters Service GmbH wird ihre Dienstleistungen weiter erbringen.“ Ziel sei es, die Voraussetzungen für eine tragfähige Fortführung des Kerngeschäfts zu schaffen.
Gründe für die Pleite: Schwacher Absatz und gestiegene Kosten
Obwohl sich der Absatz in den vergangenen Jahren gegen den allgemeinen Markttrend positiv entwickelte, blieb die wirtschaftliche Lage seit Jahren angespannt. Laut der Braunschweiger Zeitung überlebte die Tochtergesellschaft nur dank regelmäßiger Finanzspritzen der Mutter. Wolters begründete die Pleite mit anhaltend schwachem Bierabsatz sowie deutlich gestiegenen Kosten für Produktion und Energie. Die Probleme treffen jedoch nicht nur Wolters und Colbitzer: Viele Brauereien in Deutschland kämpfen mit ähnlichen Schwierigkeiten.
Bierkrise in Deutschland: 137 Brauereien gaben auf
Erst vor Kurzem hat auch die Aktienbrauerei Kaufbeuren, eine der ältesten Brauereien im Allgäu, Insolvenz angemeldet. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds haben in den vergangenen sechs Jahren 137 deutsche Brauereien dichtgemacht. Und der Abwärtstrend setzt sich fort: Laut Statistischem Bundesamt sank 2025 die Produktion von alkoholhaltigem Bier in Deutschland um 5,8 Prozent auf nur noch rund 6,8 Milliarden Liter. Die Colbitzer Brauerei, die ihr Bier mit „Heidewasser“ in der Börde braut und in Braunschweig abfüllt und vertreibt, steht nun vor einer ungewissen Zukunft.



