Minijob-Aus geplant: Millionen Beschäftigte betroffen
Minijob-Aus geplant: Millionen Beschäftigte betroffen

Die Rentenkommission hat einen Vorschlag vorgelegt, der den deutschen Arbeitsmarkt grundlegend verändern könnte: Minijobs sollen weitgehend abgeschafft werden. Künftig dürften nur noch Schülerinnen und Schüler in geringem Umfang arbeiten, ohne Sozialabgaben zu zahlen. Für alle anderen Beschäftigten würde die Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung greifen.

Millionen Minijobber betroffen

Nach Zahlen der Minijobzentrale gibt es in Deutschland rund 6,8 Millionen Minijobber. Nur etwa 500.000 von ihnen sind unter 20 Jahre alt. In Minijobs mit einem Monatsgehalt von bis zu 603 Euro entfallen bisher die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Rentenbeiträge werden zwar fällig, aber der Arbeitgeber trägt sie fast vollständig. Für den Arbeitnehmer verbleibt ein Beitrag von 3,6 Prozent, von dem er sich befreien lassen kann – 80 Prozent der Minijobber tun das.

Attraktivität für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Für Arbeitnehmer ist der Minijob attraktiv, weil das Bruttogehalt dem Nettogehalt entspricht. Arbeitgeber zahlen zwar höhere Sozialversicherungsbeiträge als bei regulären Jobs (15 Prozent zur Rentenversicherung, 13 Prozent zur Krankenversicherung), schätzen aber die Flexibilität, Stellen mit geringem Gehalt bürokratiearm besetzen zu können.

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Kritik und Zustimmung

Arbeitgebervertreter reagierten prompt mit Kritik. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Das vernichtet Hunderttausende Jobs im Einzelhandel.“ Verdi-Chef Frank Werneke begrüßte dagegen die Abschaffung in der „Welt“: Minijobs führten „heute millionenfach zu vorprogrammierter Altersarmut“.

Ziel: Höhere Rentenansprüche und mehr Einnahmen

Die Rentenkommission will mit dem Vorschlag vor allem Altersarmut verhindern. Wenn die Sonderregeln für Minijobs entfallen, könnten mehr Menschen in reguläre Arbeitsverhältnisse wechseln, mehr arbeiten, mehr verdienen und höhere Rentenansprüche sammeln. Gleichzeitig würden die Einnahmen der Rentenversicherung steigen – durch die zusätzlichen 3,6 Prozent Beitrag, von denen man sich nicht mehr befreien könnte, und durch insgesamt höhere Löhne.

Risiken: Schwarzarbeit oder Verzicht auf Zuverdienst

Ob das Kalkül aufgeht, ist offen. Denkbar wäre auch, dass mehr Menschen schwarzarbeiten oder ganz auf den Zuverdienst verzichten. Damit wäre weder den Menschen noch den Sozialsystemen geholfen. Besonders umstritten dürfte die Behandlung von Studierenden und Rentnern sein: Für sie soll es künftig keine Sonderregeln mehr geben. Studierende könnten jedoch weiterhin bis zu 20 Stunden pro Woche als Werkstudierende arbeiten, wobei vereinfachte Regeln für Sozialabgaben gelten.

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