Ein Pflegefall in der Familie kann schnell zur existenziellen Frage werden: Reicht die Rente nicht, geht es plötzlich um Ersparnisse, das Sozialamt, die Kinder – und im schlimmsten Fall um das eigene Haus. Neue Schockzahlen zeigen, wie groß das Kostenrisiko inzwischen ist: Im ersten Heimjahr zahlen Pflegeheimbewohner im Schnitt 3364 Euro pro Monat selbst. Das sind 256 Euro mehr als vor einem Jahr.
Warum die Kosten explodieren
Die steigenden Eigenanteile sind vor allem auf höhere Personalkosten und gestiegene Betriebskosten zurückzuführen. Der durchschnittliche monatliche Eigenanteil lag im Jahr 2025 noch bei 3108 Euro. Innerhalb eines Jahres ist er um 8,2 Prozent gestiegen. Viele Senioren können diese Summe aus ihrer Rente nicht stemmen. Die gesetzliche Rente liegt im Durchschnitt bei etwa 1550 Euro – weit unter den Heimkosten.
Wer zahlt, wenn das Geld nicht reicht?
Wenn die Rente und das eigene Vermögen nicht ausreichen, springt das Sozialamt ein. Allerdings müssen vorher alle zumutbaren Mittel eingesetzt werden. Dazu zählen Ersparnisse, Wertgegenstände und Immobilien. Erst wenn das Vermögen unter bestimmten Freibeträgen liegt, übernimmt der Staat die Differenz. Der Freibetrag für Alleinstehende beträgt 10.000 Euro, für Ehepaare 20.000 Euro.
Müssen Kinder für ihre Eltern zahlen?
Ja, grundsätzlich sind Kinder unterhaltspflichtig, wenn die Eltern die Heimkosten nicht selbst tragen können. Allerdings greift der sogenannte Elternunterhalt erst, wenn das Kind mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdient. Dann wird ein Teil des Einkommens oberhalb dieser Grenze herangezogen. Zudem gibt es einen Selbstbehalt von 2.000 Euro monatlich für das Kind. Viele Kinder sind jedoch nicht zahlungspflichtig, weil ihr Einkommen unter der Grenze liegt.
Ist eine geschenkte Immobilie sicher?
Viele Senioren versuchen, ihr Haus vor dem Zugriff des Sozialamts zu schützen, indem sie es zu Lebzeiten verschenken. Doch das Sozialamt kann solche Schenkungen innerhalb von zehn Jahren zurückfordern, wenn der Schenker pflegebedürftig wird. Das gilt auch für Schenkungen an Kinder oder Enkel. Nur wenn die Immobilie vor mehr als zehn Jahren verschenkt wurde, ist sie sicher. Eine frühzeitige Übertragung mit Wohnrecht oder Nießbrauch kann ebenfalls Schutz bieten.
Welche private Vorsorge hilft?
Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten. Der Eigenanteil steigt jedes Jahr. Experten empfehlen daher eine private Pflegezusatzversicherung. Besonders sinnvoll ist eine Pflegetagegeldversicherung, die einen festen Betrag pro Pflegetag zahlt, oder eine Pflegekostenversicherung, die die ungedeckten Kosten übernimmt. Auch eine Kombination aus Pflege-Bahr (staatlich geförderte Pflegevorsorge) und privater Zusatzpolice kann helfen.
Was Angehörige jetzt beachten müssen
Wenn ein Elternteil ins Pflegeheim muss, sollten Angehörige frühzeitig prüfen, ob die Rente und das Vermögen ausreichen. Sie sollten zudem prüfen, ob sie selbst unterhaltspflichtig sind. Ein Beratungsgespräch beim Sozialamt oder bei einer Pflegeberatung ist ratsam. Wichtig ist auch, alle Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenzulegen, um spätere Rückforderungen zu vermeiden. Wer sein Haus oder Vermögen verschenken möchte, sollte dies mindestens zehn Jahre vor dem Pflegefall tun.



