Das Landeskriminalamt Niedersachsen warnt vor einer zunehmenden Digitalisierung von Stalking-Delikten. Obwohl die registrierten Fallzahlen im Jahr 2025 leicht zurückgingen, setzen Täter vermehrt auf technische Hilfsmittel wie Spionage-Apps, Standorttracker und Deepfakes, um ihre Opfer zu überwachen und unter Druck zu setzen.
Fallzahlen und Aufklärungsquote
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei in Niedersachsen 2.354 Fälle von Nachstellung – ein Rückgang um 1,5 Prozent im Vergleich zu 2024. Die Aufklärungsquote blieb mit 93,2 Prozent konstant hoch. Laut LKA ist dies darauf zurückzuführen, dass sich Täter und Opfer in fast allen Fällen persönlich kennen.
„Stalking bleibt ein ernstes Problem. Die technische Raffinesse der Täter nimmt zu, was die Belastung für die Opfer enorm steigert“, teilte die Behörde mit. Grund zur Entwarnung bestehe nicht.
Vorgehen der Täter: Vom Ausspähen zur Kontrolle
Die Täter gehen strategisch vor: Zunächst sammeln sie Daten aus sozialen Netzwerken und öffentlich zugänglichen Quellen. Sie erstellen Bewegungsprofile und Kontaktlisten, entwenden Smartphones oder erraten Passwörter. Danach installieren sie heimlich Überwachungs-Apps (Stalkerware) oder nutzen Bluetooth-Tracker zur dauerhaften Ortung. Im letzten Schritt drohen sie mit der Veröffentlichung privater Daten oder manipulierte Bilder und Videos, die mithilfe von Deepfakes täuschend echt wirken.
„So nachvollziehbar der Wunsch nach einer sofortigen Löschung der Spionage-Software ist, so riskant kann er sein“, warnte das LKA. Mit der Deinstallation verschwänden wertvolle digitale Beweise. Zudem seien die Täter oft über die Löschung informiert, was in gewaltgeprägten Beziehungen zu unvorhersehbaren Reaktionen führen könne.
Handlungsempfehlungen für Betroffene
Die Polizei rät bei Verdacht auf digitale Überwachung zu folgenden Schritten: Anzeichen wie ein auffällig hoher Akkuverbrauch oder Insiderwissen des Täters sollten ernst genommen werden. Betroffene sollten frühzeitig Anzeige erstatten, Screenshots und Beweise sichern sowie ein Stalking-Tagebuch führen. Erst nach Beratung durch Opferschutzorganisationen sollten Passwörter über ein fremdes Gerät geändert und die Zwei-Faktor-Authentisierung aktiviert werden. Auch andere Geräte wie Tablets, Laptops, Router oder Überwachungskameras könnten manipuliert sein.
Das LKA betont die Bedeutung der Kontrolle über die eigene digitale Identität. Dazu gehörten sichere Passwörter, konsequente Nutzung von Zwei-Faktor-Authentisierung und ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten. Standortfreigaben auf Social-Media-Profilen sollten deaktiviert werden. Zusätzlichen Schutz böten Kontakt- und Näherungsverbote.



