Ex-GDL-Chef Claus Weselsky hadert mit der öffentlichen Wahrnehmung seiner Nachfolger
Es gab eine Ära, in der Claus Weselsky in Deutschland bekannter war als die Lokführer-Gewerkschaft GDL selbst, die er über viele Jahre führte. Nach seinem Abschied im Jahr 2024 fehlt der Gewerkschaft nun jedoch die markante „Selbstvermarktung“, wie der ehemalige Vorsitzende kritisch anmerkt. In einem aktuellen Interview mit dem Magazin „Stern“ äußerte sich der 67-jährige Weselsky deutlich zu den Defiziten, die er bei seinen Nachfolgern ausmacht.
Persönlichkeit statt Team: Weselskys Ratschläge aus dem Ruhestand
„Die GDL muss stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, forderte Weselsky und betonte, dass ihm aktuell die notwendige Personalisierung fehle. „Früher stand da überall Weselsky“, erinnerte er sich an seine aktive Zeit. „In Sachen Selbstvermarktung ist die GDL gerade nicht da, wo ich es mir wünsche.“ Der Ex-Gewerkschafter kritisierte insbesondere die gesunkene Medienpräsenz unter seinem Nachfolger Mario Reiß, der seit 2024 an der Spitze der GDL steht.
Weselsky führte aus, dass die Gewerkschaft heute weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehe, da nun nicht mehr eine einzelne Person, sondern das gesamte Team vermarktet werde. „Ich glaube, anders wäre es besser“, resümierte er und deutete an, dass eine stärkere Fokussierung auf charismatische Führungspersönlichkeiten der Sichtbarkeit der GDL zugutekäme. Trotz dieser Kritik räumte Weselsky ein, dass Reiß bei der letzten Tarifrunde Ende Februar 2026 ein „tolles Ergebnis“ erzielt habe, das ohne Streiks zu einer Einigung mit der Deutschen Bahn führte.
Vergangenheit und Gegenwart: Weselskys Erbe und aktuelles Engagement
Claus Weselsky leitete die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer von 2008 bis 2024 und war während dieser Zeit bekannt für seine entschlossene und konfliktbereite Haltung in Tarifauseinandersetzungen. Auch im Ruhestand bleibt er aktiv: Er arbeitet an drei Tagen pro Woche als Vorstandsmitglied einer von GDL-Mitgliedern gegründeten Genossenschaft und bekleidet das Amt des Vizechefs beim Deutschen Beamtenbund. In seiner Freizeit widmet er sich unter anderem dem Yoga und besucht wöchentlich eine Lehrerin, wie er dem „Stern“ verriet.
Die Debatte um die optimale Strategie der Gewerkschaften in der öffentlichen Darstellung bleibt somit aktuell. Während Weselsky auf die Kraft der Personalisierung setzt, scheinen seine Nachfolger einen teamorientierten Ansatz zu verfolgen – ein Spannungsfeld, das die Zukunft der GDL prägen könnte.



