Die deutsche Autoindustrie schöpft wieder Hoffnung: Das Barometer für die Geschäftserwartungen sprang im Juli deutlich nach oben, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Von einem Tief von minus 30,7 Punkten im April kletterte der Indikator auf nunmehr minus 0,1 Zähler. „Die Auftragsbücher füllen sich wieder etwas, und die Exporterwartungen sind gestiegen“, erklärte Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl den positiven Trend.
Auftragseingänge zeigen positive Tendenz
Gestützt wird die Zuversicht durch offizielle Daten zu den Auftragseingängen der Automobilindustrie, die bis Mai 2026 vorliegen. Dort zeigt sich ein positiver Trend sowohl bei Inlandsaufträgen als auch bei Bestellungen aus dem Euro-Raum. Eine wichtige Rolle spielen dabei Hersteller von Karosserien und Aufbauten sowie von elektronischen Ausrüstungen. Diese produzieren Geräte und Komponenten, die auch außerhalb der Automobilindustrie Verwendung finden – etwa im Verteidigungssektor. „Die europaweit steigenden Investitionen in Rüstungsgüter könnten Teilen der Automobilindustrie zugutekommen“, sagte Wölfl.
Trotz der verbesserten Erwartungen bleibt die Stimmung insgesamt angespannt. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin schlecht und planen, weitere Stellen abzubauen. Das Geschäftsklima, das sich aus Erwartungen und Lage zusammensetzt, hellte sich im Juli zwar auf, verharrte mit minus 15,6 Punkten aber tief im negativen Bereich.
China-Absatz und US-Zölle belasten
Im Kerngeschäft machen den Autobauern vor allem der stark sinkende Absatz in China und die erhöhten US-Importzölle zu schaffen. Diese Faktoren setzen die Branche unter Druck und führen zu Anpassungen bei Produktion und Personal. Zuletzt kündigte BMW an, Tausende Stellen streichen zu wollen. Auch andere Hersteller und Zulieferer dürften gezwungen sein, ihre Belegschaften zu reduzieren.
Die Beschäftigtenzahl in der deutschen Autoindustrie ist bereits deutlich gesunken: Allein im vergangenen Jahr verringerte sie sich laut amtlicher Statistik um knapp 50.000 oder sechs Prozent auf gut 721.000. Das ist der tiefste Stand seit 2011. Besonders betroffen sind Zulieferer, bei denen der Arbeitsplatzabbau überproportional ausfällt.
Rüstungsgeschäft als neuer Hoffnungsträger
Die steigenden Verteidigungsausgaben in Europa könnten für Teile der Branche neue Geschäftsfelder eröffnen. Unternehmen, die elektronische Komponenten oder Spezialaufbauten fertigen, profitieren möglicherweise von Rüstungsaufträgen. Das Ifo-Institut sieht darin einen wichtigen Grund für die verbesserten Exporterwartungen. Ob dieser Effekt jedoch ausreicht, um die Verluste im Pkw-Geschäft zu kompensieren, bleibt abzuwarten.
Die deutsche Automobilindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Neben der schwachen Nachfrage aus China und den Handelsbarrieren in den USA zwingen auch die Themen Elektromobilität und Digitalisierung zu Investitionen. Die aktuellen Auftragszuwächse geben Anlass zur Hoffnung, doch die strukturellen Probleme bleiben bestehen. Der weitere Stellenabbau dürfte daher nicht aufzuhalten sein.



