Bahn-Absturz: Mehr als die Hälfte der Fernzüge unpünktlich im Juni
Bahn-Absturz: Mehr als Hälfte der Fernzüge unpünktlich

Die Deutsche Bahn steckt in einer tiefen Krise: Im Juni 2026 lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr unter 50 Prozent. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte aller Fernzüge zu spät kam oder ganz ausfiel. Dies berichtet BILD exklusiv unter Berufung auf interne Informationen. Dabei hatte die Bahn unter der neuen Chefin Evelyn Palla (53) im April noch einen Pünktlichkeitswert von 64,4 Prozent erreicht und damit erstmals ihr selbst gestecktes Ziel von 61,9 Prozent übertroffen. Doch dieser Erfolg war nur von kurzer Dauer.

Baustellenchaos als Hauptursache

Verantwortlich für den Absturz ist das immense Baustellenchaos bei der Bahn. Immer mehr Strecken werden nicht rechtzeitig fertig, während ständig neue Baustellen hinzukommen. Die Hauptverantwortung trägt die Bahntochter InfraGO, die mit 68.000 Mitarbeitern für das Schienennetz, Gleisanlagen, Stromtrassen und Signalanlagen zuständig ist – das Herz und Nervensystem der Bahn. InfraGO-Chef Philipp Nagl (44) steht dabei besonders in der Kritik. Er musste sich am Mittwoch der Öffentlichkeit erklären, nachdem ein Totalausfall des Bahnfunks den gesamten Personen- und Güterverkehr lahmgelegt hatte.

Verzögerungen bei Haupt- und Nebenstrecken

Das Hauptproblem sind die massiven Verzögerungen bei fast allen Sanierungs- und Neubauprojekten. Bundesweit gerät das unter Nagl angekündigte Programm der „Korridorsanierung“ von 40 Hauptstrecken ins Stocken. Betroffen sind unter anderem die Strecken Berlin–Hamburg, Berlin–Hannover, Hannover–Hamburg, Köln–Koblenz, München–Rosenheim und Würzburg–Ansbach. Weil die Hauptstrecken Vorrang haben, bleiben die Nebenstrecken, die für Millionen Pendler in ländlichen Regionen lebenswichtig sind, liegen. Die Sanierung von Oberleitungen dort verzögert sich teils auf unbestimmte Zeit. Die Folge: Selbst wenn die Hauptstrecken irgendwann wieder einigermaßen funktionieren, wird das Chaos auf den Nebenstrecken noch größer sein.

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Kritik aus der Politik

Unions-Fraktionsvize und Verkehrsexperte Stephan Stracke (52, CSU) äußerte sich scharf gegenüber BILD: „Die Deutsche Bahn ist dabei, weiteres Vertrauen in die Schiene zu verspielen. Sie muss die Probleme dringend in den Griff bekommen und das System widerstandsfähig machen.“ Den jüngsten Funkausfall bezeichnete Stracke als „eine echte Bahn-Blamage. Es kann nicht sein, dass ein Funkfehler den gesamten Verkehr lahmlegt. Die Technik muss laufen, ohne Kompromisse. Das können die Tausenden von Fahrgästen, die täglich unterwegs sind, zu Recht erwarten.“

Fazit: Systemische Probleme

Logistik-Wissenschaftler Nagl, der seinen Doktor an der Wirtschaftsuniversität Wien machte, mausert sich nach Ansicht von Beobachtern zum größten Bahn-Chaoten des Landes. Sein Kernproblem: Jeder Einzelfall lasse sich für sich erklären – mal Wetter, mal Lieferprobleme, mal Subunternehmer. Doch die Summe sei verheerend und für einen Nicht-Bahn-Manager nicht mehr zu erklären. Die Bahn steht vor der Herausforderung, das Vertrauen der Fahrgäste zurückzugewinnen und das System nachhaltig zu stabilisieren.

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