Becker rät Zverev: Öffne dich nach French-Open-Sieg
Becker rät Zverev: Öffne dich nach Paris-Triumph

Nach seinem Triumph bei den French Open steht Alexander Zverev stärker im Rampenlicht als je zuvor. Tennis-Ikone Boris Becker hat dem neuen Paris-Sieger nun geraten, sich als Mensch mehr zu öffnen – auch in Bezug auf frühere Vorwürfe häuslicher Gewalt. „Vielleicht sollte er auch da versuchen, damit etwas offener, offensiver umzugehen, weil sonst hören da die Kritiker nicht auf“, sagte der 58-Jährige im gemeinsamen Podcast mit der ehemaligen Top-Ten-Spielerin Andrea Petkovic.

Becker: Privatleben nicht ignorieren

„Du kannst als Superstar im Tennis – und das ist jetzt Sascha Zverev – nicht so tun, als gebe es dein Privatleben nicht“, betonte Becker. Er wisse „als deutlich älterer Leidender“, worum es dabei gehe. Zverev hatte zuvor ein Interview der französischen Sportzeitung „L'Équipe“ nach Fragen zu den Vorwürfen abgebrochen. Eine Ex-Freundin hatte dem Spitzensportler Körperverletzung vorgeworfen. Ein Prozess in Berlin wurde im Juli 2024 gegen eine Geldauflage von 200.000 Euro ohne Urteil eingestellt, nachdem eine außergerichtliche Einigung erzielt worden war. Mit der Zahlung ist kein Schuldeingeständnis verbunden; Zverev gilt weiterhin als unschuldig. Eine weitere ehemalige Freundin hatte ebenfalls Vorwürfe erhoben, zu einem Verfahren kam es jedoch nicht.

„Alte Kamellen“ und neue Chancen

Becker bezeichnete die Vorwürfe als „alte Kamellen, die längst weg“ seien. Zverev müsse sich auch mit negativen Themen auseinandersetzen und könne nicht nur über angenehme Dinge sprechen. „Wenn es um die Marke Sascha Zverev geht, muss er jetzt schauen, dass er mit der Vergangenheit anders umgeht“, meinte der dreimalige Wimbledon-Sieger. Er könne beispielsweise sagen, dass etwas falsch gewesen sei.

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Am vergangenen Sonntag hatte sich Zverev im Endspiel von Paris gegen den Italiener Flavio Cobolli in fünf Sätzen durchgesetzt und ist der erste deutsche Grand-Slam-Champion seit Becker, der 1996 seinen letzten von sechs Titeln in Australien gewann. Nun wolle man den Menschen Zverev besser kennenlernen, sagte Becker. „Er ist garantiert ein guter Vater, nur man weiß es nicht, das wäre nur positiv für sein Image. Er ist bestimmt ein toller Bruder, ein toller Junge.“ Becker richtete an Zverev: „Du hast nichts zu verstecken, du bist gerade auf dem Mount Everest, nutze die Chance, weil so was kommt vielleicht nie wieder.“ Wenn er offen über solche Themen rede, werde er in Deutschland „vielleicht nicht nur respektiert, sondern auch geliebt“. Zverev hat eine fünfjährige Tochter namens Mayla, mit deren Mutter er nicht mehr zusammen ist.

Sportliche Perspektiven

Auch sportlich stehe Zverev vor einer wichtigen Phase. Becker riet ihm, sich schnell neue Ziele zu stecken. „Es gibt keinen Grund für mich, warum er nicht auch Wimbledon gewinnen kann“, sagte Becker. Der Rasenklassiker beginnt Ende Juni, Zverev ist dort bislang nie über das Achtelfinale hinausgekommen. Der Sprung an die Weltranglistenspitze sei „nicht unmöglich“. Zverev selbst hat bereits bekräftigt, dass die Nummer 1 der Welt sein Ziel sei: „Ich habe ja das Grand-Slam-Ziel erreicht und das Einzige, was mir im Sport noch fehlt, ist die Nummer 1 der Welt. Einfach mal für eine Woche“, sagte der Weltranglisten-Dritte der „Bild“-Zeitung. Becker abschließend: „Ich kann ihm nur raten, jetzt mit 29, gewinne, was geht, weil irgendwann ist die Zeit vorbei.“

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