BMW setzt auf Elektro-SUV aus den USA
Während die deutsche Autoindustrie von Werkschließungen und Jobabbau geprägt ist, schlägt BMW einen anderen Weg ein: Der bayerische Autobauer investiert 1,7 Milliarden Dollar in sein Werk in Spartanburg, South Carolina, um dort die nächste Generation des SUV X5 sowie weitere große SUV-Modelle auch als batterieelektrische Versionen zu produzieren. Die Ankündigung erfolgt zeitgleich mit der Präsentation der neuesten X5-Generation, die den Auftakt einer größeren Elektrooffensive bilden soll.
Wagnis trotz schwacher Nachfrage
Der Schritt kommt überraschend, denn der US-Markt für Elektroautos gilt seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump als nahezu tot. Der Anteil reiner Elektroautos am US-Neuwagenmarkt fiel im ersten Quartal 2026 auf nur 5,6 Prozent. BMW begründet die Investition dennoch mit der Strategie, „dort zu produzieren, wo die Nachfrage ist“. Allerdings ist die Nachfrage in den USA derzeit nicht vorhanden. Beobachter fragen sich daher, ob BMW eine riskante Wette eingeht oder die Strategie einen tieferen Sinn hat.
Risikominimierung durch Technologieoffenheit
Die Münchner argumentieren, sie wollten sich alle gängigen Antriebstechniken offenhalten – Verbrenner, Hybrid und Elektro – um das Risiko gegen unberechenbare Politikwechsel zu minimieren. Zudem fertigt BMW im Werk Spartanburg nicht nur für den US-Markt, sondern beliefert von dort aus mehr als 120 Märkte weltweit. „Produktion erfolgt dort, wo die Nachfrage ist“, erklärt ein Konzernsprecher. Allerdings ist die globale Nachfrage nach Elektroautos ebenfalls rückläufig, was die Investition noch riskanter erscheinen lässt.
SUV-Offensive mit Elektroantrieb
Mit der neuen X5-Generation will BMW auch bei den großen SUV-Modellen erstmals batterieelektrische Versionen anbieten. Bisher setzte der Konzern bei den großen SUV vor allem auf Verbrenner und Plug-in-Hybride. Die Elektroversion des X5 soll ab 2027 vom Band laufen. BMW erhofft sich davon, langfristig Marktanteile im Segment der vollelektrischen SUVs zu gewinnen, das derzeit von Tesla und chinesischen Herstellern dominiert wird.
Kritische Stimmen und Chancen
Analysten sehen die Investition zwiespältig. Einerseits könnte BMW von einer möglichen politischen Kehrtwende nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl profitieren. Andererseits binde der Konzern Kapital in einem unsicheren Markt. „BMW geht ein hohes Risiko ein, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, kommentiert ein Branchenexperte. Sollte die Elektro-Nachfrage in den USA wieder anziehen, wäre BMW mit einer lokalen Produktion im Vorteil.
Ausblick auf die deutsche Autoindustrie
Während andere deutsche Hersteller wie Volkswagen und Mercedes-Benz ihre Elektro-Pläne zurückfahren oder verschieben, setzt BMW weiterhin auf die Zukunft der E-Mobilität – zumindest in den USA. Ob sich die Strategie auszahlt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist: BMW wagt, was andere sich derzeit nicht trauen.



