BMW testet humanoide Roboter im Leipziger Werk
BMW testet humanoide Roboter in Leipzig

Im BMW-Werk Leipzig ist ein neuer Kollege unterwegs. Er heißt Aeon, ist knapp 1,70 Meter groß, hat Kopf, Rumpf, Arme und Beine – aber kein Gesicht. In der Hand hält er ein Messgerät, mit dem er Karosserien prüft. Noch ist Aeon Teil eines Pilotprojekts. Der Einsatz zeigt jedoch, welche Rolle humanoide Roboter künftig in der industriellen Produktion spielen könnten.

Humanoide Roboter: BMW testet neue Technik in Leipzig

BMW erprobt in Leipzig derzeit zwei dieser humanoiden Roboter. Die Maschinen sind dem menschlichen Körper nachempfunden und sollen an Arbeitsplätzen eingesetzt werden, die bislang für Menschen eingerichtet sind. Für BMW ist der Einsatz der Roboter Teil eines größeren Umbaus. Das Werk Leipzig gilt im Konzern seit Jahren als Standort, an dem neue Technologien früh ausprobiert werden. Neben dem Anschluss an ein Wasserstoffnetz setzt BMW dort nun auf eine weitere Zukunftstechnologie: menschenähnliche Maschinen in der Produktion.

Michael Ströbel, bei BMW für Prozessmanagement und Digitalisierung in der Produktion zuständig, sieht darin großes Potenzial. „Wir sehen hier eine große Chance, unsere Produktivität weiter zu steigern“, sagt er in einer Pressemitteilung. Humanoide Roboter seien eine Art universelle Automatisierungslösung, „wie ein Schweizer Messer für die Automatisierung“. Leipzig sei dafür besonders geeignet, weil das Werk eine innovative Kultur habe und offen sei, neue Ansätze auch praktisch zu erproben. Die Roboter stammen vom Schweizer Unternehmen Hexagon. Getestet werden sie in der Batteriemontage, in der Komponentenfertigung und in der Qualitätskontrolle. Dort sollen sie Bauteile für Hochvoltspeicher handhaben, Transportaufgaben übernehmen oder Messungen durchführen.

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Warum humanoide Roboter plötzlich interessant sind

Bisher arbeiten in Autofabriken vor allem klassische Industrieroboter. Sie schweißen, heben, lackieren oder montieren mit hoher Präzision. Meist sind sie jedoch Spezialisten. Einmal eingerichtet, erledigen sie eine bestimmte Aufgabe schnell und zuverlässig. Für neue Arbeitsschritte müssen sie dagegen oft umgebaut oder neu programmiert werden. Humanoide Roboter sollen flexibler einsetzbar sein. Sie können theoretisch an verschiedenen Arbeitsplätzen arbeiten, weil sie ähnlich greifen, tragen oder sich bewegen wie Menschen. Darius Wilke, Vizepräsident von Hexagon Robotics, erklärt den Grundgedanken so: „Viele Arbeitsplätze sind für Menschen geschaffen.“ Genau darin liege der Vorteil menschenähnlicher Roboter: Sie sollen sich in bestehende Werkhallen einfügen, ohne dass die Fabrik grundlegend umgebaut werden muss.

Roboter lernen per Virtual Reality

In Leipzig lernen die Maschinen ihre Aufgaben zunächst in einer eigens eingerichteten Entwicklungsumgebung. Beschäftigte setzen dafür Virtual-Reality-Brillen auf und zeigen den Robotern die nötigen Bewegungsabläufe. So lernt Aeon zum Beispiel, wie ein Bauteil gegriffen, bewegt und abgelegt wird. Nach mehreren Wiederholungen soll die Maschine die Tätigkeit selbstständig übernehmen. Ein weiterer Vorteil dieser Methode: Was ein Roboter gelernt hat, kann auf andere Maschinen übertragen werden. „Das Schöne ist, wenn wir es einem Roboter beigebracht haben, können es alle“, sagt Ströbel. Damit müsste BMW neue Arbeitsschritte nicht jeder einzelnen Maschine separat beibringen.

BMW sieht keine Gefahr für Arbeitsplätze

BMW betont, dass die Roboter nicht als Ersatz für Beschäftigte gedacht seien. Werkleiterin Petra Peterhänsel sagt, die Mitarbeiter müssten sich keine Sorgen machen, dass wegen des Einsatzes humanoider Roboter Arbeitsplätze wegfielen. Beschäftigte würden stattdessen andere Aufgaben im Werk übernehmen. Der Konzern stellt den Einsatz der Roboter vor allem als Entlastung dar. Die Maschinen könnten dort helfen, wo Tätigkeiten monoton, ergonomisch ungünstig oder körperlich anstrengend sind.

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Die Tests in Leipzig laufen bereits seit Ende vergangenen Jahres. Nach Laborversuchen und ersten Anwendungen in der Produktion befindet sich das Projekt nun in der eigentlichen Pilotphase unter realen Produktionsbedingungen. Bis Ende des Jahres soll diese Phase abgeschlossen werden. Danach will BMW entscheiden, wie die Technologie weiter genutzt werden kann. Ströbel sagte, man wolle die Pilotphase abschließen und die Roboter anschließend in den regulären Betrieb überführen. Dabei gehe es nicht nur um weitere Anwendungen in Leipzig, sondern auch um andere Werke des Konzerns.