Der chinesische Elektroautobauer BYD plant, im vierten Quartal dieses Jahres die Produktion in seinem neuen Werk in Ungarn aufzunehmen. Die Arbeiten an einer geplanten Fabrik in der Türkei hat das Unternehmen vorerst pausiert, wie Stella Li, Executive Vice President von BYD, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Grund dafür sei die Konzentration auf die Produktion in Europa.
Ungarn als oberste Priorität
„Ungarn hat im Moment oberste Priorität“, erklärte Li am britischen Hauptsitz des Unternehmens in West-London. Der Produktionsstart in Szeged, Südungarn, erfolgt etwa ein Jahr später als ursprünglich geplant. Das Werk ist BYDs erste Fabrik in Europa. Der Absatz des weltgrößten Elektroautoherstellers in Europa stieg im vergangenen Jahr um 270 Prozent auf fast 188.000 Fahrzeuge.
Suche nach einem Standort in Südeuropa
Darüber hinaus sucht BYD nach den Worten seiner Europachefin derzeit nach einem Autowerk im Süden Europas. Dabei gehöre Spanien zu den Ländern, die sich BYD ansehe, sagte Li am Mittwoch in Berlin. BYD sei daran interessiert, ein bestehendes Autowerk zu übernehmen, ergänzte die Managerin.
BYD strebe langfristig an, 70 Prozent der in Europa verkauften Fahrzeuge auch hier zu bauen, sagte Li. 2025 legte der Absatz des Autobauers in Europa um 270 Prozent zu auf fast 188.000 Fahrzeuge. Für die ersten fünf Monate des laufenden Jahres verzeichnete BYD in Europa einen weiteren Anstieg um 144 Prozent auf mehr als 100.000 Autos.
Hintergrund: Strafzölle und EU-Regularien
Chinesische Autobauer suchen derzeit nach Werken in Europa, um den Einfuhrzöllen der Europäischen Union auf Elektroautos aus China zu entgehen. Dabei spielen auch die Regelungen des „Industrial Accelerator Act“ (IAA) der Europäischen Union eine Rolle. Damit sollen „gezielte und verhältnismäßige Anforderungen für ‚Made in EU‘ und/oder CO₂-arme Produkte“ für das öffentliche Beschaffungswesen sowie für Subventionen eingeführt werden.
Alfredo Altavilla, Berater für BYD in Europa, sagte, ein Grund, warum die chinesischen Hersteller derzeit nach bestehenden Werken suchten, sei, dass die Vorgaben schneller in Kraft träten, als neue Fabriken gebaut werden könnten. „Es ist keine Zeit, um auf der grünen Wiese zu bauen“, sagte er. „Alles, was man tun kann, ist eine bestehende Anlage zu finden, zu übernehmen und neu auszurüsten.“
Mehr: Erdogans gezielt geplanter Elektroboom – und Teslas Beitrag rtr



