China: Autoverkäufe brechen ein – was bedeutet das für deutsche Autobauer?
China galt lange als Zugpferd für die globale Automobilindustrie. Doch die jüngsten Daten des chinesischen Verbands für Personenkraftwagen (CPCA) zeigen einen deutlichen Rückgang: Im Mai 2025 wurden nur noch rund 1,5 Millionen Fahrzeuge verkauft – ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch der Zeitraum von Januar bis Mai verzeichnete einen Rückgang von fast 20 Prozent. Diese Entwicklung wirft Fragen auf: Handelt es sich um eine vorübergehende Schwäche oder um eine dauerhafte Trendwende?
Ursachen des Absatzeinbruchs
CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu nennt mehrere Gründe für den Einbruch. Der Rückzug staatlicher Kaufanreize belaste den Markt erheblich. Hinzu kämen hohe Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs sowie eine schwache Kaufkraft vieler Verbraucher. Die Entwicklung verlief in zwei Phasen: Zunächst litten vor allem die sogenannten „Neuen Energieautos“ (NEV) – Elektroautos und Plug-in-Hybride – unter den reduzierten Subventionen. Seit Beginn des Kriegs und den gestiegenen Kraftstoffpreisen verschob sich der Druck auf klassische Verbrenner. Im Mai brachen deren Verkäufe um 39 Prozent ein, während NEVs nur noch einstellige Rückgänge verzeichneten und ihren Marktanteil auf über 60 Prozent ausbauten.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die deutsche Autoexpertin Beatrix Keim betont die hohe Preissensibilität chinesischer Kunden. Viele Käufe seien vorgezogen worden, als die Änderungen bei den E-Auto-Anreizen absehbar waren. Gleichzeitig hätten Hersteller und Händler Fahrzeuge in den Markt gedrückt. Die anhaltende Immobilienkrise in China belastet zudem die Vermögen und das Verbrauchervertrauen. Viele Haushalte müssen Kredite aus Immobiliengeschäften bedienen und verschieben daher größere Anschaffungen wie Autos.
Auswirkungen auf deutsche Autobauer
Für Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW, die traditionell stark vom chinesischen Markt abhängen, sind die Entwicklungen alarmierend. Der Volkswagen-Konzern rechnet damit, dass der Gesamtmarkt für Neufahrzeuge in diesem Jahr auf unter 21 Millionen Fahrzeuge sinken wird. „Die Volkswagen Group China kann sich diesem Trend nicht entziehen“, teilte das Unternehmen mit. Man passe die Pläne entsprechend an und setze auf die Neuausrichtung hin zu NEV-Fahrzeugen. Allerdings sind chinesische Hersteller in diesem Segment oft schneller, günstiger und näher an den Erwartungen der Kunden.
Chinesische Hersteller suchen Auswege
Auch chinesische Autohersteller leiden unter dem schwächelnden Heimatmarkt und dem harten Preiskampf. Viele Unternehmen haben Überkapazitäten aufgebaut. Ein wichtiger Ausweg ist der Export: Im Mai stiegen die Pkw-Ausfuhren um rund 75 Prozent. Cui sieht große Chancen in Mittel- und Südamerika, Australien, Südostasien und Afrika. Nio, das in Deutschland bisher wenig Erfolg hatte, lieferte von Januar bis Mai 150.526 Fahrzeuge aus – ein Plus von 68,7 Prozent. Das Unternehmen betont, langfristige Trends stünden im Vordergrund.
Zukunftsaussichten
Die Expertenmeinungen gehen auseinander. Keim erwartet eine Abschwächung des schnellen Wachstums der vergangenen Jahre, das vor allem auf staatlicher Förderung beruhte. Die Preiskämpfe dürften anhalten, und Hersteller müssten auf Kostensenkungen und eine bessere Kommunikation setzen. Cui hingegen sieht den Einbruch nicht als dauerhaften Trend. Die Autodichte in China sei weiterhin deutlich niedriger als in Deutschland, der Markt also nicht gesättigt. Das Problem sei vor allem die aktuelle Kaufkraft der Bevölkerung.



