Seit einem Jahr gilt in China eine verschärfte Luxussteuer für Neufahrzeuge. Die Schwelle, ab der die Abgabe fällig wird, wurde von 1,3 Millionen Yuan auf 900.000 Yuan (rund 116.000 Euro) gesenkt. Diese Änderung belastet insbesondere deutsche Premiumhersteller, deren Absätze in China ohnehin rückläufig sind.
VDA: Steuer trifft deutsche Hersteller besonders hart
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht die Maßnahme kritisch. Eine Sprecherin erklärte: „Die Anpassung der chinesischen sogenannten Luxussteuer auf Fahrzeuge im vergangenen Jahr hat sich erwartbar besonders negativ zulasten europäischer und insbesondere deutscher Hersteller ausgewirkt, da sie auf besonders werthaltige Fahrzeuge zielt.“ Die Steueranpassung dämpfe die Verbraucherstimmung und belaste das bilaterale Handelsklima zwischen der EU und China. Der VDA fordert eine Prüfung der Folgen.
CPCA: Strukturelle Veränderung des Marktes
Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA, sieht eine strukturelle Marktveränderung. Die Nachfrage nach Verbrennern zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Yuan sei „deutlich zurückgegangen“. Deutsche Hersteller müssten die Steuer entweder über höhere Preise weitergeben oder ihre Margen senken. Zudem würden teure Sonderausstattungen gestrafft und Preise gezielt unter der Steuerschwelle gehalten. Verbraucher wichen verstärkt auf chinesische Oberklasse-Elektro- oder Hybridmodelle sowie auf günstige Gebrauchtwagen aus.
Allerdings sei die Steuer nicht das Hauptproblem: „Den Aufstieg chinesischer Premiummarken bezeichne ich als entscheidenden Schlag“, so Cui. Preiskampf und Steuerpolitik erzeugten lediglich „kurzfristigen zusätzlichen Druck“. Dringender sei der „ernsthafte Rückstand bei der Lokalisierung intelligenter Fahrzeugtechnik und bei der Elektrifizierung“.
Reaktionen der deutschen Hersteller
BMW gab an, die Steuer betreffe „einzelne Oberklassemodelle, die nach China importiert werden“. Der abgesenkte Schwellenwert habe „kaum Auswirkungen auf unseren Gesamtabsatz im Markt“. Audi zufolge betrifft die Regelung „nur eine sehr begrenzte Anzahl der in China verkauften Modelle des Volkswagen-Konzerns“. Bei Porsche seien „einzelne Derivate betroffen“, so ein Sprecher.
Mercedes-Benz erklärte, die konkreten Auswirkungen ließen sich nur schwer isoliert betrachten. Der Anteil der betroffenen Fahrzeuge liege bei Mercedes in China bei weniger als fünf Prozent des Gesamtabsatzes, ausschließlich im Top-End-Segment wie S-Klasse und Mercedes-Maybach.
Absatzrückgänge im ersten Halbjahr
Trotz der relativ geringen Betroffenheit sind die Absätze der deutschen Hersteller in China deutlich gesunken. Porsche verzeichnete im ersten Halbjahr einen Rückgang der Auslieferungen um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mercedes musste einen Rückgang des Pkw-Absatzes um 28 Prozent hinnehmen. Bei BMW sank der Absatz um 20 Prozent, bei Audi um 19 Prozent.
Die chinesische Luxussteuer ist damit ein weiterer Faktor in einem schwierigen Marktumfeld für deutsche Autobauer, die mit zunehmender Konkurrenz aus dem Inland und strukturellen Herausforderungen kämpfen.



