Mit dem Oberklasse-Shooting-Brake Z9 GT tritt die chinesische Premiummarke Denza nun auf dem deutschen Markt gegen die heimischen Schwergewichte Porsche, Mercedes und Co. an. Mehr als tausend Elektro-PS, brachiale Fahrleistungen und ein paar wirklich einmalige Technik-Gimmicks sind nur einige der Punkte, mit denen die BYD-Tochter wechselwillige Kunden locken will.
Sechs bis acht Jahre Vorsprung bei der Batterietechnik
„Sechs bis acht Jahre Vorsprung“ bei der Batterietechnik hält sich Denza selbst zugute. Ob die zeitliche Dimension nun stimmt oder nicht: Zumindest bei der Ladeleistung fahren die Chinesen der westlichen Konkurrenz locker davon. Mit bis zu 1.000 kW lädt der Fünftürer an den BYD-eigenen Schnellladern, von denen in Kürze 300 deutschlandweit am Netz sein sollen.
Kostenlose Ladung als Lockangebot
Im ersten Jahr ist die Nutzung kostenlos, wer jetzt sein Auto bestellt, bekommt den Strom sogar 18 Monate lang umsonst. Bei einem Kaufpreis von mindestens 115.000 Euro eher ein psychologischer als ein finanziell wirksamer Vorteil – doch bei Tesla hat die Kombination aus eigener Infrastruktur und Gratis-Energie am Anfang ebenfalls für schnelles Wachstum gesorgt.
Schnell wachsen ist auch das Ziel von Denza, erklärt BYDs Deutschlandchef Lars Bialkowski bei der Eröffnung eines City-Stores der Edel-Tochter in der Kölner Innenstadt. Bis Ende des Jahres soll es 40 Verkaufs- und Service-Standorte geben, teils selbst betrieben, teils bei besonders erfolgreichen BYD-Händlern. Langfristig sind 100 geplant.
Edler Innenraum und starke Leistung
Eines der prägnantesten Modelle in den Schauräumen wird der Z9 GT, der schon im Stand und beim Platznehmen im außerordentlich edel ausstaffierten Innenraum einiges hermacht. Der sein ganzes Potenzial aber erst auf der Straße entfaltet. Trotz großer Batterie nur begrenzte Reichweite: Trotz der mit 122 kWh gewaltigen Batteriekapazität schafft der Shooting Brake selbst nach den notorisch optimistischen Normangaben nur rund 600 Kilometer.
Fahrverhalten und Handling
Und es sind tatsächlich nicht die 850 kW/1.140 PS, die hier begeistern. Die wären tendenziell sogar eher zu viel als zu wenig, ist das Luftfahrwerk doch eher am Wegschwingen von Unebenheiten interessiert als daran, die Karosserie bretthart auf die Straße zu pressen. Die lockere Souveränität der Fahrwerke der deutschen Sportlimousinen in dieser Klasse erreicht der Denza hier nicht. Der Z9 ist vor allem ein komfortabel-kraftvoller Gran Turismo, kein dezidierter Sportwagen. Passenderweise hat Denza die Gasannahme auch zurückhaltend abgestimmt, so dass sich das enorme Drehmoment nicht in einem Knall entfesselt, sondern vergleichsweise langsam und kontrolliert aufbaut.
Fest in den Sitz presst einen die Beschleunigung natürlich trotzdem. Reicht das nicht aus, gibt eine Booster-Schaltwippe hinterm Lenkrad noch einige Newtonmeter Extra-Drehmoment frei, die dann für einen wirklich raketenhaften Antritt sorgt. Mindestens genauso beeindruckend ist aber die Handlichkeit: Dank Hinterradlenkung zieht sich die 5,19 Meter lange Limousine durch die Kurve wie ein Kompaktwagen.
Technische Gimmicks und Design aus Deutschland
Auch das Rangieren und Wenden in der Stadt gelingt spielerisch leicht. Fahrwerks-Gags wie das Drehen auf der Stelle, der Heckschwenk beim Vorwärts-Einparken oder das Fahren im diagonalen Krebsgang bräuchte es eigentlich nicht – weil aber an der Hinterachse zwei E-Motoren unabhängig voneinander arbeiten und die Räder jeweils in Gegenrichtung drehen können, geht es halt. Und die Chinesen programmieren den Trick kurzerhand in die Motorsteuerung. Inklusive Touch-Button für das Infotainmentsystem.
Davon abgesehen tritt der Denza allerdings durchaus europäisch auf. Das gefällige Karosseriedesign stammt von Ex-Audi-Gestalter Wolfgang Egger, der extrem sorgfältig gearbeitete Innenraum verzichtet auf Exotik bei Layout und Materialauswahl und glänzt im klassischen Holz-Leder-Metall-Stil europäischer Prestige-Autos. Kunststoff oder den aus Sparsamkeitsgründen mittlerweile auch im automobilen Oberhaus gern genutzten „Klavierlack“ sucht man hier vergebens. Ganz verhehlen kann der Z9 GT seine asiatische Herkunft aber nicht – zur Ausstattung zählt auch ein Karaoke-System.
Preis und Konkurrenz
Mindestens 115.000 Euro werden für den elektrischen Z9 GT fällig. Der Betrag relativiert sich durch eine luxuriöse Quasi-Vollausstattung inklusive Tiefkühlfach (bis minus 6 Grad) in der Mittelkonsole und den zunächst kostenlosen Fahrstrom. Zum Vergleich: Ein Porsche Taycan Sport Turismo mit Basisausstattung kostet 103.500 Euro. Wer leistungsmäßig einigermaßen mit dem Chinesen gleichziehen will, muss aber zum Turbo S Sport Turismo für 212.000 Euro greifen. Für solvente Kunden mit gehobenen Ansprüchen an Fahrdynamik mag sich das lohnen. Wer aber vor allem einen luxuriösen elektrischen GT sucht, der auch noch blitzschnell laden kann, kommt am Denza nicht mehr vorbei. Selbst Elektro-Skeptiker wollen die Chinesen bedienen und bringen in den nächsten Monaten eine Plug-in-Hybridvariante für 101.000 Euro.
Technische Daten – Denza Z9 GT
- Fünftüriger, fünfsitziger Shooting Brake
- Länge: 5,18 Meter, Breite: 1,99 Meter (mit Außenspiegeln: 2,19 Meter), Höhe: 1,49 Meter
- Radstand: 3,13 Meter, Wendekreis: 5,35 Meter
- Kofferraumvolumen: 495–1 680 Liter, Frunk: 53 Liter
- Anhängelast: 2.000 kg
- Drei Elektromotoren, Systemleistung: 850 kW/1.140 PS, Drehmoment: 1.210 Nm
- 0–100 km/h: 2,7 s, Vmax: 270 km/h
- Allradantrieb, 1 Gang Getriebe
- Verbrauch: 23,6 kWh/100 km (0 g CO2/100 km)
- Akkugröße: 122,49 kWh, Reichweite: 600 km (WLTP)
- Ladeleistung: 1. 300 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer DC: 10–97 Prozent in 9 Minuten
- Preis: ab 115.000 Euro



