Deutschland kauft Tomahawk-Raketen: Einigung beim Nato-Gipfel in Ankara
Deutschland kauft Tomahawk-Raketen: Einigung beim Nato-Gipfel

Der Weg für den Kauf von US-Mittelstreckenwaffen ist frei: Deutschland hat sich mit den USA beim Nato-Gipfel in Ankara auf den Erwerb von Tomahawk-Marschflugkörpern geeinigt. Das gab Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einer Regierungserklärung im Bundestag bekannt. „Wir haben zudem am Rande des Nato-Treffens in Ankara mit der amerikanischen Regierung vereinbart, dass amerikanische Tomahawk-Raketen von uns erworben und in Deutschland stationiert werden“, so der Kanzler. „Wir schließen damit eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung. Und wir werden gleichzeitig daran arbeiten, eigene europäische Systeme zu entwickeln und in Europa zu stationieren.“

Hintergrund: Von Biden zu Trump – eine wechselhafte Vorgeschichte

Bereits beim Nato-Gipfel 2024 hatten die USA unter Präsident Joe Biden für das Jahr 2026 in Aussicht gestellt, Tomahawk sowie Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland zu stationieren. Unter US-Präsident Donald Trump gab es jedoch eine Absage an dieses Vorhaben. Der nun vereinbarte Kauf der Tomahawk-Raketen stellt eine Alternative dar, um die geplante militärische Präsenz zu realisieren.

Das deutsche Verteidigungsministerium hatte 2024 erklärt, der russischen Bedrohung mit den Tomahawk-Marschflugkörpern von 2026 an wirksame Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten entgegensetzen zu wollen. Die Tomahawk-Raketen haben eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern und sollen eine Lücke in den militärischen Fähigkeiten der Bundeswehr schließen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Abschreckung Russlands als erklärtes Ziel

Die Entscheidung zum Kauf der Marschflugkörper ist Teil einer umfassenden Strategie zur Abschreckung Russlands. Das Verteidigungsministerium verwies darauf, dass Russland nuklearfähige Iskander-Raketen in der Exklave Kaliningrad stationiert habe. Seit 2022 verlege Moskau zudem russische Kampfjets mit Luft-Boden-Hyperschall-Raketen vom Typ Kinschal dorthin. Darüber hinaus habe Russland angekündigt, Nuklearwaffen in Belarus zu stationieren. „Da Russland damit Westeuropa massiv bedroht – die Flugkörper haben Reichweiten von bis zu 2.000 Kilometern – muss die Nato etwas dagegen unternehmen“, hieß es aus dem Ministerium.

Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit noch nicht über eigene Mittelstreckenwaffen. Mittelfristig wollen mehrere Verbündete ein eigenes Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe („deep precision strike“) auf sogenannte Hochwertziele eines Gegners beschaffen. Dazu wurde 2024 auf dem Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa („European Long-Range Strike Approach“) angestoßen. Mehrere europäische Nato-Verbündete wollen unter diesem gemeinsamen Dach einen eigenen Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern entwickeln. Im vergangenen Jahr hatte das deutsche Verteidigungsministerium erklärt, die Arbeiten an dieser neuen Fähigkeit weitreichender Waffen hätten begonnen.

INF-Vertrag: Vom Meilenstein zum Auslaufmodell

Der 1987 vom damaligen Kremlchef Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan unterzeichnete INF-Vertrag sah die Abschaffung aller landgestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörper mit kürzerer Reichweite von 500 bis 1.000 Kilometern sowie mit einer mittleren Reichweite von 1.000 bis 5.500 Kilometern vor. Die USA und europäische Nato-Staaten warfen Russland vor, den Vertrag gebrochen zu haben, indem es einen neuen landgestützten, nuklearfähigen Marschflugkörper mittlerer Reichweite vom Typ 9M729 (NATO-Codename: SSC-8) entwickelte und die russischen Streitkräfte damit ausrüstete. Im Jahr 2019 kündigten die USA daraufhin den INF-Vertrag auf.

Der Kauf der Tomahawk-Marschflugkörper ist somit auch eine Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa nach dem Ende des INF-Vertrags. Deutschland schließt mit der Beschaffung eine Lücke, die durch den Wegfall der vertraglichen Rüstungskontrolle entstanden ist. Gleichzeitig wird die Entwicklung eigener europäischer Systeme vorangetrieben, um langfristig unabhängiger von US-Waffen zu werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration