DS N°8 im Test: Frankreichs neuer Luxus-Anspruch unter der Lupe
Frankreich demonstriert Selbstbewusstsein – nicht nur politisch, sondern nun auch in der Automobilbranche. Der neue DS N°8, das elektrische Crossover-Topmodell der Stellantis-Edelmarke, soll beweisen, was die Premiummarke auf höchstem Niveau zu leisten vermag. Mit einer Länge von 4,82 Metern und basierend auf der STLA-Medium-Plattform, die auch Modelle wie den Peugeot 5008 trägt, verspricht der DS N°8 viel. Der großzügige Radstand von 2,90 Metern lässt auf reichlich Platz hoffen, doch in der Praxis zeigt sich ein differenziertes Bild.
Raumkonzept mit Einschränkungen
Während der vordere Bereich noch gut genutzt werden kann, wird es im Fond, insbesondere über dem Kopf, schnell eng. Die tief montierten Sitze erschweren zusätzlich den Ein- und Ausstieg, was durch das flach abfallende Dach nicht erleichtert wird. Die Vordersitze sind angenehm gepolstert und bieten ausreichend Halt, doch sinnvolle Verstelloptionen wie eine ausziehbare Beinauflage oder eine höhenverstellbare Kopfstütze fehlen. Auch das große Glasdach hätte ein Verdunkelungsrollo vertragen, um den Innenraum flexibler nutzbar zu machen.
Edles Interieur mit kleinen Schwächen
Das Cockpit wird von einem auffälligen Vierspeichen-Lenkrad im X-Design und feinen Materialien geprägt. Über Druck auf den linken Lenkradhebel lassen sich bis zu fünf Instrumentenansichten abrufen. Das Interieur überzeugt mit hochwertigen Materialien wie Nappa-Leder und Aluminium sowie sorgfältiger Verarbeitung. Allerdings fühlen sich einige Schalter, beispielsweise für die Fensterheber, nicht besonders hochwertig an. Die Ablagen sind ausreichend dimensioniert, doch die USB-Anschlüsse unter der Mittelkonsole liegen ungünstig.
Infotainment und Assistenzsysteme
Der breite Touchscreen wirkt beeindruckend, reagiert allerdings nicht immer sofort und erfordert Einarbeitung. Wer sich mit dem System beschäftigt, kann wichtige Funktionen als Favoriten ablegen und störende Assistenten schneller deaktivieren. Die Sprachsteuerung arbeitet präzise und erlaubt freie Navigationseingaben. Fortschrittliche Assistenzsysteme, bis hin zum optionalen Nachtsichtsystem, stehen zur Verfügung.
Antrieb und Reichweite im Test
Mit 258 PS und einer Beschleunigung von 8,4 Sekunden auf 100 km/h bietet der DS N°8 ausreichende Dynamik. Die Energierückgewinnung beim Bremsen lässt sich über Schaltwippen variieren, ein One-Pedal-Modus ist ebenfalls an Bord. Bei winterlichen minus zwei Grad kam der DS jedoch nur auf 321 Kilometer Reichweite, während im Sommer deutlich mehr möglich sein dürfte.
Fahrkomfort und Handling
Der DS N°8 zeigt insgesamt guten Fahrkomfort und bügelt lange Wellen zuverlässig glatt. Auf kurzen Unebenheiten wirkt das Fahrzeug aber etwas nervös. Die drei Fahrmodi verändern das Fahrverhalten kaum spürbar. Im Profil wird deutlich, dass sich der DS N°8 zwischen Fließheck-Limousine und SUV einsortiert – typisch für ein Crossover.
Preis und Garantiebedingungen
Mit mindestens 57.700 Euro ist der DS N°8 kein Schnäppchen. Die empfehlenswerte Étoile-Ausstattung kostet zusätzlich 7400 Euro. Dazu kommen eine hohe Versicherungsklasse und eine Garantie, die nach zwei Jahren endet. Die schmalen, abgewinkelten LED-Rückleuchten wirken sehr elegant, während das Heck an sich eher unruhig erscheint.
Fazit
Der DS N°8 richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein besonders stilvolles und eigenständiges Elektroauto suchen. Wer französische Eleganz und entspanntes Fahren schätzt, wird viel Freude haben. Gleichzeitig müssen Käufer beim Preis und im Alltag einige Kompromisse akzeptieren, etwa bei der Reichweite im Winter oder dem Platzangebot im Fond. Dieser Test zeigt, dass Luxusanspruch und praktische Alltagstauglichkeit nicht immer Hand in Hand gehen.



