Danilo Veselinovic ist erst 24 Jahre alt und wurde kürzlich zum technischen Entwicklungsdirektor der kanadischen Fußballnationalmannschaft ernannt. Der gebürtige Hamburger verantwortet nun die langfristige strategische Ausrichtung des Fußballs in Kanada, das 2026 gemeinsam mit den USA und Mexiko die Weltmeisterschaft ausrichtet. Im Gespräch mit dem SPIEGEL erklärt er, wie er zu diesem Posten kam, welche Pläne er für den kanadischen Fußball hat und warum er die Arbeitsweise von Bundestrainer Julian Nagelsmann nachvollziehen kann.
Vom Lagerfeuer zum Chefposten
Veselinovic, der zuvor als Scout und Analyst arbeitete, wurde während eines Campingausflugs am Lagerfeuer von seinem Vorgesetzten überraschend zum technischen Direktor befördert. „Es war ein unvergesslicher Moment“, sagt er. „Ich hatte nicht damit gerechnet, aber ich bin bereit für diese Herausforderung.“ Seine Karriere begann in der Jugendabteilung des Hamburger SV, bevor er nach Nordamerika wechselte, um dort seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Der Fußballboom in Kanada
Kanada erlebt derzeit einen beispiellosen Fußballboom. Die Nationalmannschaft der Männer hat sich erstmals seit 1986 wieder für eine WM qualifiziert, und die Frauenmannschaft ist Olympiasieger. Veselinovic sieht großes Potenzial: „Der Fußball wächst rasant, aber wir müssen die Infrastruktur und die Ausbildung verbessern, um langfristig erfolgreich zu sein.“ Er setzt auf eine ganzheitliche Entwicklung, die von der Basis bis zur Spitze reicht.
„Typisch deutsch“ – Planung und Effizienz
Der junge Funktionär gilt als akribischer Planer. „Ich habe für alles einen Plan“, sagt er lachend. Diese deutsche Tugend kommt in Kanada gut an. Veselinovic will Strukturen schaffen, die nachhaltig wirken. Dazu gehört die Einführung einheitlicher Trainingsmethoden und die Förderung junger Talente. „Wir müssen sicherstellen, dass die Spieler von klein auf die bestmögliche Ausbildung erhalten.“
Verständnis für Nagelsmann
Auf die Frage nach Julian Nagelsmann, der ebenfalls früh Verantwortung übernahm, zeigt Veselinovic Sympathie. „Ich verstehe ihn sehr gut. Wenn man jung ist, hat man oft frische Ideen und den Mut, Dinge anders zu machen. Aber man muss auch mit Kritik umgehen können.“ Beide eint der Anspruch, Fußball innovativ zu gestalten.
Veselinovic blickt optimistisch in die Zukunft. Die WM 2026 sieht er als Chance, den kanadischen Fußball nachhaltig zu prägen. „Wir wollen nicht nur Gastgeber sein, sondern auch sportlich überzeugen. Das ist mein Ziel.“



