Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie hat sich im Juli spürbar aufgehellt. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts kletterte um 6 Punkte auf minus 15,6. Zwar liegt der Wert weiterhin im negativen Bereich, doch die Erwartungen der Unternehmen sind so optimistisch wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.
Erwartungen auf Mehrjahreshoch
Besonders die Geschäftserwartungen legten kräftig zu und erreichten mit minus 0,1 Punkten den besten Stand seit über 36 Monaten. Noch im April hatte dieser Wert mehr als 30 Punkte tiefer gelegen, was die rasante Verbesserung der Stimmung unterstreicht. Die aktuelle Geschäftslage wird mit minus 29,9 Punkten jedoch weiterhin als sehr schlecht eingeschätzt.
„Die Auftragsbücher füllen sich wieder etwas und die Exporterwartungen sind gestiegen“, kommentiert Ifo-Expertin Anita Wölfl die Entwicklung. Die jüngsten Auftragseingänge, die bis Mai vorliegen, zeigen einen positiven Trend sowohl aus dem Inland als auch aus dem Euroraum.
Rüstungsgeschäft als neuer Impulsgeber
Laut Ifo profitieren vor allem Hersteller von Karosserien und Aufbauten sowie Produzenten von Geräten und Komponenten, die auch außerhalb der Automobilbranche eingesetzt werden können – etwa in der Verteidigungsindustrie. „Die europaweit steigenden Investitionen in Rüstungsgüter könnten Teilen der Automobilindustrie zugutekommen“, erklärt Wölfl.
Diese Entwicklung könnte der Branche zusätzliche Aufträge bescheren, die die schwache Nachfrage im klassischen Pkw-Geschäft teilweise ausgleichen. Die Unternehmen hoffen, dass sich die positive Tendenz in den kommenden Monaten fortsetzt und sich auch die aktuelle Geschäftslage allmählich verbessert.
Trotz der erfreulichen Erwartungen bleibt die Lage angespannt: Die Branche kämpft weiterhin mit hohen Energiekosten, Fachkräftemangel und der Transformation hin zur Elektromobilität. Die Ifo-Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass die Talsohle möglicherweise durchschritten ist.



