Der italienische Zugkonzern Italo drängt mit Nachdruck auf den deutschen Schienenmarkt. Das Unternehmen fordert Zugang zu den Gleisen der Deutschen Bahn und will ab 2028 insgesamt 56 tägliche Verbindungen aufbauen. Die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde signalisiert bereits ihre Unterstützung für das Vorhaben. Für Fahrgäste könnte dies auf mehreren Strecken zu einem erweiterten Angebot führen.
Welche Strecken Italo ins Visier nimmt
Italo, offiziell Nuovo Trasporto Viaggiatori, plant den Einstieg in den deutschen Fernverkehr. Konkret sollen Verbindungen von München über Stuttgart nach Frankfurt sowie von Berlin über Leipzig nach München angeboten werden. Auch eine Route von Berlin nach Hamburg ist im Gespräch. Das Unternehmen will dabei auf den Hochgeschwindigkeitszügen ETR 1000 setzen, die in Italien bereits auf Strecken wie Rom–Mailand erfolgreich eingesetzt werden.
Bundesnetzagentur ebnet den Weg
„Die Bundesnetzagentur wird den Antrag von Italo auf Zuweisung von Trassen prüfen und nach geltendem Recht entscheiden“, erklärte ein Sprecher der Behörde. Grundlage ist das Eisenbahnregulierungsgesetz, das einen diskriminierungsfreien Zugang zum Schienennetz vorsieht. Die Deutsche Bahn muss als Netzbetreiber konkurrierenden Anbietern Trassen zur Verfügung stellen, sofern Kapazitäten vorhanden sind.
Auswirkungen auf Fahrgäste und Preise
Mit dem Markteintritt von Italo dürfte der Wettbewerb auf den genannten Strecken zunehmen. Die Deutsche Bahn reagierte bereits mit der Ankündigung, ihr Angebot auszubauen und die Pünktlichkeit zu verbessern. „Wir begrüßen jeden Wettbewerb, der den Kunden mehr Auswahl bringt“, so ein Bahn-Sprecher. Experten erwarten, dass die Preise auf den betroffenen Relationen um bis zu 15 Prozent sinken könnten, ähnlich wie in Italien nach dem Markteintritt von Italo im Jahr 2012.
Herausforderungen für den italienischen Anbieter
Allerdings stehen dem Vorhaben auch Hürden gegenüber. Die Deutsche Bahn hat auf vielen Strecken bereits langfristige Verträge mit dem Bund über die Nutzung der Trassen abgeschlossen. Zudem muss Italo eigene Wartungsanlagen und Personal in Deutschland aufbauen. „Wir sind zuversichtlich, diese Herausforderungen zu meistern“, sagte ein Italo-Sprecher. Das Unternehmen rechnet mit Investitionen in Höhe von rund 500 Millionen Euro für die Deutschland-Expansion.
Terminplan und nächste Schritte
Italo will die ersten Fahrten im Jahr 2028 aufnehmen. Zuvor müssen jedoch die Trassenanträge genehmigt und die Züge für den deutschen Markt zugelassen werden. Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, die Anträge prioritär zu behandeln. Sollte alles nach Plan verlaufen, könnten die ersten Italo-Züge bereits 2027 im Testbetrieb fahren.



