Historischer U-Boot-Auftrag für Thyssenkrupp
Kanada hat bei Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) bis zu zwölf U-Boote bestellt. Der Auftrag ist der größte in der Unternehmensgeschichte des Essener Rüstungskonzerns. Der kanadische Premierminister Mark Carney gab die Entscheidung am späten Montagabend bekannt, kurz bevor TKMS-Chef Oliver Burkhard und Thyssenkrupp-Chef Miguel López eine nächtliche Pressekonferenz in Essen abhielten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lobte den Deal als „großes, strategisches Vorhaben“, das Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte verbinde. Die U-Boote des Typs 212CD wurden gemeinsam von Deutschland und Norwegen entwickelt; die Buchstaben „CD“ stehen für „Common Design“. Kanada schließt sich nun als dritter Partner an.
Politische Dimension des Deals
Der Auftrag hat eine klare politische Botschaft: Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das Verhältnis zwischen Ottawa und Washington ist jedoch angespannt, da US-Präsident Donald Trump mehrfach bekundete, Kanada als 51. US-Bundesstaat eingliedern zu wollen. Die Bestellung deutscher U-Boote ist daher auch ein Signal für mehr strategische Autonomie Kanadas.
„Mittelmächte wie Kanada streben durch Partnerschaften mit gleich gesinnten Staaten nach größerer strategischer Autonomie“, sagte Carney. Er betonte die Bedeutung maritimer Fähigkeiten für sein Land, das über die längste Küstenlinie der Welt verfügt: „Die Arktis wird zunehmend zu einem zentralen Faktor für die Sicherheit Nordamerikas und der Nato-Westflanke.“
Lobbyarbeit der Bundesregierung
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte bei einer Dienstreise nach Kanada für das Projekt geworben. TKMS-Chef Burkhard, ehemals Chef der IG Metall in NRW, pflegt einen guten Draht zu den SPD-Ministern. In den letzten Monaten ließ er sich auf LinkedIn auffällig häufig mit kanadischen und norwegischen Flaggen ablichten.
Der Auftrag ist auch ein Erfolg für Thyssenkrupp-Konzernchef Miguel López. „TKMS wird uns noch viel Freude machen“, sagte López. Der Auftragsbestand von TKMS hatte bereits vor der kanadischen Zusage mit 20,6 Milliarden Euro einen Rekordwert erreicht.
TKMS als globaler Player
TKMS sieht sich als weltweit führender Anbieter von nicht-nuklearen U-Booten. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 9000 Mitarbeiter, davon 3300 in Kiel – Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr wurde die maritime Rüstungssparte von Thyssenkrupp verselbstständigt und an die Börse gebracht. Die Thyssenkrupp AG hält 51 Prozent der TKMS-Anteile, die Krupp-Stiftung etwas mehr als zehn Prozent.
TKMS konnte sich mit seinem Angebot gegen die südkoreanische Werft Hanwha Ocean durchsetzen. Das Unternehmen erwägt zudem, die europäische Zusammenarbeit zu intensivieren. U-Boote könnten künftig auch auf spanischen Werften gebaut werden, kündigte Burkhard an. Er verglich die Situation der Branche mit der Luftfahrtindustrie vor der Gründung von Airbus.
Signal vor dem Nato-Gipfel
Die Bekanntgabe des Deals kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara ist auch als politisches Signal an US-Präsident Trump zu werten. Bundeskanzler Merz sprach von einem „starken Zeichen der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie“. Es gehe um eine „auf Dauer angelegte Partnerschaft, die weit über die Sicherheits- und Verteidigungspolitik hinausreicht“.
Mit Brasilien hatte TKMS im April eine Absichtserklärung für den Bau von vier Fregatten der Tamandaré-Klasse unterzeichnet. Der Konzern trotzt damit dem allgemeinen Niedergang der deutschen Werften und profitiert von der wachsenden Nachfrage nach Kriegsschiffen.



