Kanada wird einem Medienbericht zufolge den milliardenschweren Auftrag zum Bau von zwölf U-Booten an die Thyssenkrupp-Marinetochter TKMS vergeben. Die kanadische Tageszeitung „The Globe and Mail“ berichtete, TKMS habe sich im Bieterverfahren gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durchgesetzt. Die kanadische Regierung will ihre Entscheidung am Montagabend (Ortszeit) offiziell mitteilen. TKMS selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Die Nachricht ließ die TKMS-Aktie zeitweise um elf Prozent steigen.
Hintergrund des Auftrags
Der U-Boot-Auftrag wird von Branchenkennern auf mehr als zehn Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen voraussichtlich weitere zweistellige Milliardenbeträge für Betrieb, Wartung und Upgrades über die Lebensdauer der Boote. TKMS treibt seine Bemühungen um den Auftrag seit Monaten voran und wird dabei von der Bundesregierung und dem Partner Norwegen unterstützt. „Wenn es gelingt, dann wird das Kanada an uns für Jahrzehnte binden“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa am Tag vor dem Nato-Gipfel aus deutschen Regierungskreisen. Der Gipfel beginnt am Dienstag in der türkischen Hauptstadt Ankara.
Das Modell 212CD im Fokus
TKMS hatte bereits von der norwegischen Regierung den Auftrag zum Bau von sechs Exemplaren des neuen Bootstyps 212CD erhalten. An diesem Modell ist auch Kanada interessiert. Sollte Kanada TKMS als bevorzugten Bieter ausgewählt haben, ist damit noch kein endgültiger Auftrag verbunden. Die Gespräche dürften sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen. TKMS-Chef Oliver Burkhard hatte im Vorfeld angekündigt, den Auftrag mit einem umfassenden Industriepaket an Land ziehen zu wollen. Die Gespräche gingen weit über U-Boote hinaus und umfassten mögliche Investitionszusagen in den Bereichen seltene Erden, Bergbau, künstliche Intelligenz und Batterieproduktion für den Automobilsektor.
Wirtschaftliche und strategische Bedeutung
Der Auftrag wäre nicht nur für TKMS, sondern auch für die deutsche Rüstungsindustrie von großer Bedeutung. Er würde die langfristige Bindung Kanadas an deutsche Technologie und Industrie stärken. Die Konkurrenz aus Südkorea mit Hanwha Ocean war ebenfalls stark, doch TKMS konnte sich offenbar durchsetzen. Die endgültige Entscheidung der kanadischen Regierung wird mit Spannung erwartet.



