Leapmotor B05: Neuer Herausforderer für den VW ID.3 ab 27.900 Euro
Leapmotor B05: Herausforderer für VW ID.3

Leapmotor B05: Ein neuer Herausforderer für den VW ID.3

Der nächste bitte: Leapmotor steigt mit seinem B05 in den Kampf der Kompaktklasse ein. Neben Selbstbewusstsein haben die Chinesen im Ringen um europäische Kunden einen Trumpf im Ärmel.

Bei Leapmotor überschlägt man sich derzeit mit Superlativen und Marketing-Floskeln: Der Leapmotor B05 hat nicht etwa nur ein klares Design, nein es müssen schon „skulpturale Linien“ sein. Selbstbewusstsein haben die Chinesen halt allemal. Mit dem B05 will man nun den europäischen Massenmarkt ansprechen und setzt dabei auf das Vertriebsnetz und die Fabriken von Stellantis – und den Preis.

Auf den ersten Blick wirkt der ab knapp 28.000 Euro erhältliche B05 gefällig, auf den zweiten auch. Aber letztlich ist es so wie mit manch perfekt anmutendem Model- oder Schauspielergesicht. Schließt man die Augen und versucht, sich die prägnantesten Merkmale des gerade gesehenen Antlitzes zu vergegenwärtigen, ist da nichts so richtig hängen geblieben.

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Klar, die horizontal angeordnete Lichtarchitektur vorn wie hinten ist elegant, aber eben auch nicht so extravagant, dass sie zum Markenzeichen taugen würde. Und der Leuchtstreifen hinten? Erinnert dann eben, samt dem leicht gewölbten Heck, an Rückansichten aus Zuffenhausen.

Von vorn ist die erste Assoziation eher Golf; die seitliche Linie erinnert ein wenig an einen A3. Alles gar kein Problem, das sind schließlich alles Erfolgswagen – wäre da bloß nicht dieses penetrante und überlaute Marketing-Geklingel. „Was einen bleibenden Eindruck hinterlässt, muss einmalig, prägnant und einzigartig sein.“ Das ist insofern etwas irritierend, da eben recht wenig am Leapmotor B05 einmalig, prägnant und einzigartig ist.

Positives gibt es aber auch und sogar einiges zu berichten. Der B05 ist zwar kompakt (4,43 Meter), bietet aber mit einem Radstand von rund 2,76 Meter vorn wie hinten ein Platzangebot, das auch mit deutlich größeren Modellen mithalten kann.

Gut abgestimmt, viel Reichweite

Im Angebot sind wie in dieser Klasse üblich zwei Batterien (56,2 kWh und 67,1 kWh). Mit der größeren Variante lässt sich der B05 in etwa 30 Minuten von 30 auf 80 Prozent laden; kein überragender Wert, zumal Leapmotor leider nur diese als Vergleichseinheit recht irrelevante Ladedauer angibt. Die maximale Ladeleistung soll 168 kW pro Stunde betragen.

Der Verbrauch wird im Mittel mit 15,9 kWh/100 km angegeben. Das ließ sich im Fahrtest durchaus bestätigen. Der B05 ist gut abgestimmt, was Lenkung und Bremsverhalten anbelangt. Der Sprint von 6,7 Sekunden von 0 auf 100 km gelingt flott genug. Allerdings wird mit den heckgetriebenen 160 kW/218 PS eine nicht vorhandene Sportlichkeit suggeriert. Was auch nicht nötig ist, der B05 glänzt dafür mit einer guten Reichweite von bis zu 482 Kilometern.

Ein deutliches Lob hat sich das Kompaktauto verdient, wenn es um die Ausstattung geht. Das wirkt alles hochwertig und durchdacht, der scharfe 14,6-Zoll-Touchscreen überzeugt.

Nur auf der Beifahrerseite wartet Ungewohntes: Da klaffen, wie schon beim B10, sechs ovale Löcher, die in China mit allerlei Accessoires wie Talisman oder Taschenhaltern gefüllt werden, in Europa aber bis auf weiteres nur Zwischenraum zum Durchschauen bieten. Im Netz kursiert bei Drittanbietern für 5,95 Euro schon eine „beifahrerseitige Lochabdeckung mit Silikondichtung für Leapmotor“. Diese Lücke sollten die Kreativköpfe bei Leapmotor jedenfalls schnell selbst füllen.

Und Schnelligkeit soll ja eine Tugend der chinesischen Autobauer sein. Das würde auch zeigen, dass zugehört wird bei Leapmotor. Ab 2027 soll der B05 sowieso im spanischen Saragossa produziert werden, dann könnten derlei chinesische Eigenarten gleich mit beseitigt werden.

Das wäre auch geboten, wenn es um das Eigenleben von Sicherheitssystemen geht. Etwa den Spurhalteassistenten. Der griff, obwohl von uns proaktiv ausgeschaltet, bei selbst nur zarter Annäherung an die Fahrbahnmitte in Gestalt einer wild bimmelnden „Emergency Lane Assist“-Funktion so rabiat ins Lenkgeschehen ein, dass es so manchen Fahranfänger wohl aus der Spur gehauen hätte. Auf Rückfrage hieß es dazu bei Leapmotor, man habe das Feedback schon mehrfach erhalten und werde die Angelegenheit mit dem nächsten OTA-Softwareupdate (over the air) erledigen.

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Trotz einiger kleiner Schwächen und fehlender Superlative ist der B05 durchaus ein Konkurrent für hiesige Elektrofahrzeuge im so hart umkämpften C-Segment. Denn in Deutschland ist er schon ab höchst attraktiven 27.900 Euro zu haben. Die Topversion schlägt mit 31.900 Euro zu Buche.