Mercedes feiert 30 Jahre Formel-1-Safety-Cars. Bis heute stellt die Marke mit dem Stern die rasanten Rennleitungsautos für die Formel 1. Interessant ist: Es handelt sich um originale, kaum modifizierte Sportwagen. ntv.de hat zwei alte CLK gefahren.
Jubiläumsfeier in Goodwood und Brooklands
Eigentlich ist das von Mercedes ein smarter Schachzug: Warum nicht den 30. Jahrestag der Safety-Car-Karriere in Goodwood am Vorabend des berühmten „Festival of Speed“ begehen? Immerhin passen die Themen – das hier im Rahmen des Events eingesetzte Safety Car, der CLK 55 AMG, ist längst zum Klassiker geworden (obwohl er die 30 Jahre noch nicht ganz vollgemacht hat). Und dann der Einsatzort, Brooklands. Der Kurs, eine Autostunde von Goodwood entfernt, gilt als die erste offizielle Rennstrecke der Welt. Ein nettes Gimmick, und außerdem steht ja auch noch zufällig die Mercedes-World in Brooklands – eine riesige Niederlassung, wenn man so will, mit Spielwiese für Autoenthusiasten. Denn die hat einen kleinen Track gleich nebenan – nicht mehr der alte historische Kurs, aber doch ein ansehnliches Stück Asphalt. Und ohnehin genug Auslauf, um die historischen Safety Cars CLK 55 sowie 63 AMG Black Series um die Ecken fegen zu lassen.
Bernd Mayländer als Pilot und Erklärer
Höchstpersönlich zugegen ist übrigens der langjährige und immer noch aktive F1-Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer. Und so geht es zunächst auf den Beifahrersitz des raren CLK 63 Black Series. Mayländer erklärt, dass die Entwickler das an sich originale Serienmodell für den Diensteinsatz durchaus ein bisschen gepimpt haben. Eigentlich liegt der 209er mit dem 6,2-Liter-Achtzylinder bei 507 PS, hier sollen es gut und gern 550 PS sein. Und schon als Passagier merkt man, dass das ausgeräumte Coupé mit dem Traumgewicht von weniger als 1,8 Tonnen richtig querperformant ist, auch wenn man nicht annähernd an Mayländers Pace heranreichen würde. Schon vor 17 Jahren hat der Black Series die Nordschleife in gut acht Minuten umrundet, damals war das eine Ansage für ein eigentlich komfortbetontes Sportcoupé.
Selbstfahrer-Erlebnis im CLK 63 Black Series
Später darf ich selbst ans Steuer. Eigentlich ist das, was der betagte 63er kann, verrückt, zumal an der Hardware nichts verändert wurde. Und als Kraftübertragung dient ein konventioneller Siebengang-Wandlerautomat. Aber so richtig aufzudrehen hier auf dem kleinen Track – da fehlt der Mut. Denn die Mercedes-Jungs haben sämtliche Fahrhilfen deaktiviert. Also kein elektronischer Rettungsanker, der ein potenziell nach außen drängendes Hinterteil über das Giermoment einfangen würde. Und das originale Safety Car auf dem Event zerlegen? Keine gute Idee. Dann also lieber auf den kurzen Geraden den strammen Druck im Kreuz genießen und glücklich darüber sein, dieses besondere Stück Auto überhaupt bewegen zu dürfen.
Der CLK 55 AMG als zweites Safety-Car-Modell
Als kleines I-Tüpfelchen gibt es danach noch ein weiteres, besonderes Sammlerstück zu fahren. Dabei handelt es sich um das zweite Mercedes-Safety-Car in dieser Karriere der Marke, nachdem die Schwaben mit dem C 36 gestartet waren vor ziemlich genau 30 Jahren. Damals war der CLK 55 AMG noch nicht in Kundenhand und begann seinen Einstand als Vorserienfahrzeug. Die Spezifikation kennt der Insider freilich aus der Limousine, allerdings startete der W210 im Jahr 1996 zunächst mit dem fünf Liter großen M113. Zwei Jahre später kam der Achtzylinder in das Coupé dann mit 5,4 Litern Hubraum und für heutige Verhältnisse fast schwachbrüstig klingenden 347 PS. Die treffen allerdings auf lediglich 1,5 Tonnen Leergewicht. Und eine geschmeidige Fünfgang-Automatik überträgt die 510 Newtonmeter Drehmoment.
Vergleich: Komfortabler 55er vs. brachialer Black Series
Im Vergleich zum späteren Black Series ist der frühere 55er ein komfortabler Salon mit Power. Auch wenn er nicht im Ansatz zu ungestüm gen Horizont rennt, ist er doch immer noch ein schnelles Auto. Allerdings mit 5,4 Sekunden bis 100 km/h doch aus einer anderen Welt verglichen mit heutigen Sportwagen.
Originale Serienfahrzeuge im Rennleitungsdienst
Spannend ist, dass die Safety Cars im Grunde ganz originale Serienfahrzeuge sind, einmal abgesehen von Funk- und Signalanlage. Sie werden zum Einsatz gerufen, wenn es während des Rennens Zwischenfälle auf der Strecke gibt, und setzen sich dann vor die Protagonisten, damit der Track auf sichere Weise beispielsweise von herumliegenden Teilen befreit werden kann. Dabei wird hier und da durchaus auch mal am Limit gefahren, erzählt Bernd Mayländer. Heute fährt er übrigens einen irre schnellen AMG GT Black Series.
Preise und Verfügbarkeit der CLK-Modelle
Lust auf CLK 55 AMG oder 63 Black Series bekommen? Der fast 30 Jahre alte Cruiser steht zu Preisen um 20.000 Euro herum in den einschlägigen Internet-Börsen und ist damit fast noch erschwinglich – egal, ob es sich um die Baureihe 208 oder den neueren 209 handelt. Auch Cabrios stehen zur Wahl. Währenddessen gehört der 63 Black Series (ausschließlich Baureihe 209) dann doch eher zu den preislich abgehobenen Preziosen. Unter 180.000 Euro ist kaum etwas zu machen. Dafür gibt es dann aber das Safety-Car-Gefühl gleich mit dazu. Jedenfalls auf die Performance bezogen.



