Pkw-Gewinn sackt ab – China-Krise belastet
Der Autobauer Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal 2026 in seinem Kerngeschäft, der Pkw-Sparte, deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Der Gewinn brach um 26 Prozent ein, während die Verkaufszahlen um sieben Prozent auf 837.000 Fahrzeuge sanken. Besonders drastisch war der Rückgang in China, wo die Verkäufe um 30 Prozent einbrachen. Der einstige Wachstumsmarkt gerät zunehmend unter Druck, da der Wettbewerb durch lokale Hersteller und eine schwächere Nachfrage die Margen schrumpfen lässt.
Konzerngewinne steigen dank anderer Sparten
Trotz der Schwierigkeiten im Pkw-Geschäft gelang es Konzernchef Ola Källenius, das Betriebsergebnis auf Konzernebene um 21,5 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro zu steigern. Allerdings erfolgte dieser Anstieg von einem niedrigen Niveau aus, nachdem das Ergebnis im Vorjahreszeitraum um zwei Drittel eingebrochen war. Der Konzernumsatz fiel nur um 3,3 Prozent, was vor allem auf die positive Entwicklung der Lieferwagen-Sparte und der Finanzdienste zurückzuführen ist. In Europa verzeichnete Mercedes zudem einen deutlichen Anstieg der Verkäufe von Elektroautos.
Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies sprach von insgesamt besseren Resultaten als erwartet. Der Großteil der Jahresprognose sei bestätigt worden. Die freien Finanzmittel seien durch den Verkauf von Daimler-Truck-Anteilen aufgepolstert worden. Auch Stephen Reitman vom Analysehaus Bernstein verwies auf die aktuellen Verluste aus chinesischen Gemeinschaftsunternehmen. Die Wertminderung in China werfe allerdings Fragen auf, so Houchois.
Umsatzausblick gekappt und Abschreibungen belasten
Wegen des anhaltenden Wettbewerbsdrucks in der Volksrepublik senkt der Dax-Konzern seinen Umsatzausblick für das laufende Jahr. Statt auf Vorjahresniveau geht Mercedes nun von Erlösen aus, die leicht unter dem Vorjahreswert liegen. Zudem schreibt das Unternehmen wegen der trüben Aussichten in China auf die dortigen Gemeinschaftsunternehmen 704 Millionen Euro ab. Die operative Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten im Pkw-Geschäft sackte im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 1,1 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent ab. Analysten hatten im Schnitt einen noch etwas kräftigeren Rückgang befürchtet.
Sparprogramm und Arbeitszeitdebatte
Von den teils deutlich zweistelligen Margen wie noch nach der Coronapandemie ist Mercedes weit entfernt. Der Konzern hat daher die Sparanstrengungen intensiviert. Das Programm „Next Level Performance“ half mit niedrigeren Verwaltungskosten, schätzungsweise wurden mehr als 5000 Arbeitsplätze abgebaut. Seit 2019 sanken die Fixkosten um rund 25 Prozent. Im zweiten Halbjahr will der Dax-Konzern Kosten und Produktivität weiter verbessern, sagte Källenius. Die Modelloffensive fülle die Auftragsbücher und gehe demnächst mit dem neuen elektrischen GLA weiter. Bis Ende des Jahres will Mercedes außerdem das automatisierte Fahren auf definierten Strecken in ersten deutschen Städten einführen.
Källenius hatte zuletzt längere Arbeitszeiten in Deutschland für das gleiche Geld gefordert, um die Produktivität zu steigern. Damit brachte er Tausende Mercedes-Beschäftigte auf, die für den Erhalt der 35-Stunden-Woche vor allen deutschen Werken demonstrierten. Die Debatte um Arbeitszeit und Stellenabbau ist Teil eines branchenweiten Trends.
Branchenweite Krise trifft auch Wettbewerber
Auch andere deutsche Autobauer verschärfen den Sparkurs in der Krise. Im Volkswagen-Konzern stehen weitere 50.000 Arbeitsplätze und vier Werke in Deutschland zur Disposition. Porsche gab am Montag bekannt, bis 2035 noch 5000 weitere und damit fast 9000 von 42.000 Arbeitsplätzen abzubauen. Mercedes-Rivale BMW, der bislang gut durch die China-Flaute gekommen war, senkte im Juni die Prognose und rechnet nun mit einem operativen Gewinnrückgang – auch hier wird über Stellenabbau gesprochen. Die Aktie von Mercedes legte am Dienstag im frühen Handel um fast 5 Prozent zu, was Analysten auf die besser als erwarteten Ergebnisse zurückführten.



