Mercedes-Benz verschärft sein Sparprogramm und fordert von den Beschäftigten eine deutliche Ausweitung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Konkret soll die bisherige 35-Stunden-Woche gekippt werden – ein Schritt, der nach Ansicht des Betriebsrats einen Präzedenzfall für die gesamte deutsche Industrie darstellen könnte.
Hintergrund des Sparkurses
Der Autobauer steht unter massivem Kostendruck. Die Transformation zur Elektromobilität, gestiegene Rohstoffpreise und ein schwächelnder Absatz in wichtigen Märkten zwingen das Management zu drastischen Maßnahmen. Nach internen Angaben soll das neue Arbeitszeitmodell ab 2027 gelten und zunächst für die Stammbelegschaft in den deutschen Werken eingeführt werden.
Reaktionen von Betriebsrat und Gewerkschaft
Der Betriebsratsvorsitzende Ergun Lümali bezeichnete die Pläne als „beispiellosen Angriff auf tarifliche Errungenschaften“. In einer Mitteilung an die Belegschaft heißt es: „Wir stehen vor einer ernsten Lage. Die Abschaffung der 35-Stunden-Woche wäre ein massiver Einschnitt in die Arbeitsbedingungen und würde Signalwirkung für andere Konzerne haben.“ Die IG Metall kündigte bereits Widerstand an und verwies auf die hohe Produktivität der Mercedes-Belegschaft.
Details des geplanten Modells
Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll die wöchentliche Arbeitszeit auf 40 Stunden steigen, ohne dass der Lohn entsprechend angepasst wird. Stattdessen sollen Zulagen und Sonderzahlungen gekürzt oder gestrichen werden. Der Konzern verspricht sich davon Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich pro Jahr.
Branchenweite Auswirkungen
Experten sehen in dem Vorstoß eine mögliche Trendwende für die deutsche Automobilindustrie. Bislang galten die 35-Stunden-Woche und die damit verbundenen Tarifverträge als unantastbar. Sollte Mercedes sich durchsetzen, könnten andere Hersteller wie Volkswagen oder BMW ähnliche Forderungen stellen. Der Betriebsrat warnt vor einer „Abwärtsspirale bei Löhnen und Arbeitsbedingungen“.
Nächste Schritte
Die Verhandlungen zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretern sollen in den kommenden Wochen beginnen. Die IG Metall hat bereits eine Urabstimmung über Streiks nicht ausgeschlossen. Für den 15. Juli ist eine erste große Betriebsversammlung im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim geplant.



