Nato-Gipfel: Milliarden-Deals für Rüstungskooperationen zwischen USA und Europa
Nato-Gipfel: Milliarden-Deals für Rüstung

Die Nato-Staaten haben am Rande ihres Gipfels in Ankara neue Rüstungskooperationen im Wert von mehreren Dutzend Milliarden Dollar angekündigt. Damit wollen sie den Forderungen der USA nach höheren Verteidigungsausgaben nachkommen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte stellte am Dienstag bei einem Forum der Rüstungsindustrie eine Reihe von Initiativen vor.

TKMS erhält größten Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte

Die Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS sicherte sich einen der weltweit größten U-Boot-Aufträge aus Kanada. Die Regierung in Ottawa will bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD bei dem Kieler Unternehmen bestellen, wie Kanadas Premierminister Mark Carney vor seiner Abreise zum Nato-Gipfel mitteilte. Für TKMS ist dies der größte Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte, der den Auftragsbestand um mehr als 50 Prozent erhöht.

Mit dem Vorhaben entsteht eine trilaterale U-Boot-Flotte von Kanada, Deutschland und Norwegen, die künftig bis zu 24 Boote umfassen soll. Das erste U-Boot soll bis 2033 an die kanadische Marine ausgeliefert werden. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Entscheidung: „Vor dem Nato-Gipfel setzt die kanadische Regierung damit ein starkes Zeichen der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie. Dies ist ein großes, strategisches Vorhaben, das Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte verbindet.“ Die U-Boote wurden für extreme Bedingungen in der Arktis, im Nordatlantik und im Pazifik konzipiert.

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Weitere Rüstungsprojekte und Investitionen

Weitere Vereinbarungen, die im Vorfeld des Gipfels weitgehend geheim gehalten worden waren, sehen unter anderem den Kauf von Überwachungsdrohnen des US-Konzerns Northrop Grumman durch europäische Staaten sowie den Erwerb von Flugzeugen des schwedischen Herstellers Saab durch die Nato vor. Die USA führen einem Insider zufolge Gespräche mit Deutschland und anderen Nationen über eine gemeinsame Produktion von Raketen in Europa, die für die Verteidigung der Ukraine dringend benötigt werden. Die Niederlande kündigten Verteidigungsprojekte im Volumen von mehr als drei Milliarden Euro an, darunter Partnerschaften mit Belgien bei der Luftverteidigung und mit Großbritannien bei Marineschiffen.

Hintergrund ist die wachsende Besorgnis in Washington über die Kapazitäten der US-Waffenhersteller, da sowohl der Konflikt mit dem Iran als auch die Unterstützung der Ukraine die US-Bestände dezimiert haben. Rutte erklärte zudem, die Nato-Verbündeten wollten in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in die Drohnenabwehr investieren.

Auftakt des Nato-Gipfels mit Trump

US-Präsident Donald Trump wird am Dienstagabend zu einem Abendessen in Ankara erwartet, das den Auftakt des Gipfels bildet, und soll dort auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammentreffen. Trump veröffentlichte vor seiner Ankunft auf seiner Plattform Truth Social ein Video, in dem er erneut forderte, dass Europa mehr für seine eigene Verteidigung tun müsse.

Rutte betonte am Montag, die Europäer hätten ihre Verteidigungsausgaben massiv gesteigert – sowohl wegen der Angst vor Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 als auch wegen des „äußerst energischen“ Drucks Trumps. Die europäischen Nato-Mitglieder und Kanada gaben 2025 real 90 Milliarden Dollar mehr für Verteidigung aus als im Vorjahr, was einer Steigerung von rund 20 Prozent auf insgesamt mehr als 570 Milliarden Dollar entspricht.

Türkei könnte wieder in F-35-Programm aufgenommen werden

Trump könnte bei dem Treffen mit Erdogan signalisieren, dass die Türkei wieder in das F-35-Kampfjetprogramm aufgenommen werden darf, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Washington hatte die Türkei 2019 nach dem Kauf des russischen Luftabwehrsystems S-400 aus dem Programm ausgeschlossen und Sanktionen verhängt.

Trump hatte die Nato-Partner in den vergangenen Monaten wiederholt scharf kritisiert und ihnen vorgeworfen, die USA im Krieg mit dem Iran nicht ausreichend zu unterstützen. Er drohte mit einem Austritt der USA aus dem Bündnis oder der Missachtung der Beistandspflicht. Europäische Regierungsvertreter betonten dagegen, sie hätten ihre Zusagen zur Nutzung ihres Luftraums und ihrer Stützpunkte weitgehend eingehalten.

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Die USA haben zwischenzeitlich Truppenabzüge aus Europa angekündigt und prüfen ihre militärische Präsenz auf dem Kontinent. Das Verhältnis ist auch durch Spannungen wegen Grönland und einen Streit zwischen Trump und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni belastet.

Die Nato-Mitglieder wollen ungeachtet dessen ihre Unterstützung für die Ukraine bekräftigen und Hilfen von 70 Milliarden Euro für das laufende Jahr zusagen. Russland hatte am Montag erneut Kiew und die umliegende Region mit Raketen und Drohnen angegriffen, wobei mindestens 28 Menschen getötet wurden. Dies verdeutlichte den akuten Mangel an US-Abfangraketen für die ukrainische Luftverteidigung.