Nato-Erneuerung: Deutschland zahlt Milliarden für neue Aufklärungsflugzeuge
Nato: Milliarden für neue Aufklärungsflugzeuge

Die Nato erneuert ihre in Geilenkirchen stationierte Awacs-Flotte mit bis zu zehn neuen Aufklärungsflugzeugen des kanadischen Herstellers Bombardier, die mit dem GlobalEye-System von Saab ausgerüstet werden. Generalsekretär Mark Rutte kündigte dies am Rande des Nato-Gipfels in Ankara an. Deutschland wird nach dem Ausstieg der USA voraussichtlich den größten Anteil der Kosten von mehreren Milliarden Euro übernehmen.

GlobalEye-System für umfassende Überwachung

Das GlobalEye-System ermöglicht laut Rutte die gleichzeitige Überwachung von Luft-, See- und Bodenraum von einer einzigen Plattform aus. Es kann Drohnenschwärme, ballistische Raketen und Marschflugkörper aufspüren, verfolgen und identifizieren. Die Systeme werden auf Bombardier Global 6000 oder Global 6500 installiert. Die Bestellung umfasst bis zu zehn Flugzeuge.

Milliardenschwere Investitionen in Drohnenabwehr

Im Rahmen der Initiative „Drone Edge“ wollen die Verbündeten in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr investieren. Allein am heutigen Tag sollen Rüstungsverträge im Wert von rund 44 Milliarden Euro unterzeichnet werden. Zudem verpflichten sich die Alliierten, bis Ende 2027 fünfmal so viele Soldaten für den Einsatz von Drohnen auszubilden.

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Ursprünglich war Boeing im Gespräch

Ursprünglich hatte die Nato US-Maschinen vom Typ Boeing E-7A Wedgetail bestellen wollen. Dieses Vorhaben wurde aufgegeben, nachdem die US-Regierung im Sommer 2025 ihren Ausstieg aus dem Programm ankündigte. Laut Nato-Kreisen sind jedoch weitere Gespräche mit Boeing möglich. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im September 2025 das GlobalEye-System als Alternative ins Spiel gebracht.

Awacs-Flotte am Ende der Nutzungsdauer

Die bisherigen Awacs-Flugzeuge (Airborne Early Warning and Control System) basieren auf der Boeing 707 und sind rund 40 Jahre alt. Sie werden derzeit vorwiegend zur Überwachung des Luftraums im östlichen Europa eingesetzt. Hauptstützpunkt ist der Nato-Flugplatz Geilenkirchen bei Aachen. Die Flotte besteht aus 14 Maschinen, die an allen großen Nato-Einsätzen beteiligt waren, darunter der Kampf gegen den Terrorismus und der Kosovokrieg. Die Awacs können mit ihrem pilzförmigen Radar andere Luftfahrzeuge in über 400 Kilometer Entfernung orten und dienen als fliegende Gefechtsleitstände.

Rutte bezeichnete die Awacs als „Augen des Bündnisses im Himmel“, betonte jedoch, dass sie das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht hätten.

Proteste und Festnahmen vor dem Nato-Gipfel

Zwei Tage vor Beginn des Nato-Gipfels in Ankara wurden laut Medienberichten erneut mehrere Journalisten und Bürgerrechtler festgenommen. Bereits Ende Juni waren mehr als 200 Menschen festgenommen worden, darunter Akademiker, Anwälte, Gewerkschafter und Vertreter der Zivilgesellschaft. Der Anwalt Erman Öztürk sagte der AFP, Ziel sei es offenbar, „Demokraten, Linke und die Presse einzuschüchtern“. Mehrere regierungskritische Medien erhielten keine Akkreditierung für den Gipfel. Der Türkei-Vertreter von Reporter ohne Grenzen, Erol Önderoğlu, sprach von „blinden, willkürlichen und ungeordneten Einsätzen“. Auch bei Protesten in Ankara nahm die Polizei mehrere Menschen fest, darunter Mitglieder der Arbeiterpartei Tip. Die türkischen Behörden hatten ein umfassendes Demonstrationsverbot verhängt. Der Vorsitzende der größten Oppositionspartei CHP, Kemal Kılıçdaroğlu, kritisierte die Unterdrückung von Protesten: „Nicht die Existenz von Demonstrationen schadet dem Ansehen eines Landes, sondern die Unterdrückung des Rechts auf demokratischen Protest.“

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