In den Tarifverhandlungen für den Groß- und Außenhandel hat Bayern einen Pilotabschluss erzielt. Die rund 240.000 Beschäftigten im Freistaat erhalten ab dem 1. August eine Entgelterhöhung von 2,9 Prozent. Eine weitere Steigerung um 2,1 Prozent folgt zum 1. Mai 2027. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 24 Monate und endet am 30. April 2028. Dies gaben die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband LGAD bekannt.
Signalwirkung für andere Bundesländer und Branchen
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGAD) erklärte, dass dieses Ergebnis voraussichtlich Grundlage für weitere Abschlüsse in anderen Tarifgebieten sein werde. Auch Verdi sieht auf Bundesebene eine Signalwirkung. Die Erklärungsfrist, innerhalb derer beide Seiten das Ergebnis für Bayern bestätigen müssen, läuft bis zum 4. August.
Der bayerische Verdi-Verhandlungsführer Thomas Gürlebeck erwartet von der Einigung zudem eine Signalwirkung für den Einzelhandel, wo derzeit ebenfalls Tarifgespräche laufen. Bernd Ohlmann vom für den Einzelhandel zuständigen Handelsverband Bayern sagte: „Natürlich verfolgen wir das sehr genau, aber jede Branche hat eigene Kostenstrukturen. Deshalb lassen sich die Ergebnisse aus dem Groß- und Außenhandel nicht eins zu eins auf den Einzelhandel in Bayern übertragen.“
Warnstreiks als Druckmittel
Während der Tarifverhandlungen gab es Warnstreiks. „Ohne den großen Mut und die Entschlossenheit der Streikenden wäre ein solch guter Tarifabschluss niemals möglich gewesen“, betonte Gürlebeck. Die Streikenden hätten wieder einmal bewiesen, „dass Tarifabschlüsse auf der Straße und in den Betrieben und nicht am Verhandlungstisch entschieden und erkämpft werden“.
Dass im Groß- und Außenhandel in Bayern der erste bundesweite Handels-Tarifabschluss gelungen sei, sei auch den Streikenden in anderen Bundesländern zu verdanken, sagte er: „Ohne diese kraftvolle und breite bundesweite Bewegung wäre unser heutiges Ergebnis nicht möglich gewesen.“
Arbeitgeber betonen Planungssicherheit
Der Verhandlungsführer des LGAD, Frank Hurtmanns, betonte, dass die Sozialpartner unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen erneut ihre Handlungsfähigkeit bewiesen hätten. „Mit der Laufzeit von 24 Monaten und einer zügigen Tarifeinigung wurde Planungssicherheit für die Unternehmen erreicht und der Betriebsfrieden sichergestellt.“
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen sprach von einem wegweisenden Tarifabschluss, der allerdings auch ein schmerzhafter Kompromiss sei. Die Arbeitgeber seien an die Grenze des Machbaren gegangen.



