Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat den Gesetzentwurf für die geplante Frühstartrente in die Ressortabstimmung der Regierung gegeben. Damit rückt die schwarz-rote Frühstartrente näher. Alle Kinder ab sechs Jahren sollen künftig monatlich zehn Euro vom Staat für ihre Altersvorsorge erhalten. Ziel ist es, jedem Kind ein eigenes Altersvermögen von zehntausenden Euro zu ermöglichen. Mit eigenen Zuzahlungen der Eltern seien sogar sechsstellige Summen möglich.
So funktioniert die Frühstartrente
Laut dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Gesetzentwurf zahlt der Bund für jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot ein. Das Kapital wird erst nach Vollendung des 65. Lebensjahres ausgezahlt. Zuzahlungen der Eltern sind bis zu 6.840 Euro pro Jahr möglich. Die Erträge bleiben bis zum Auszahlungsbeginn steuerfrei.
Das Depot kann von den Eltern bei einem Anbieter nach Wahl eröffnet werden oder in einer öffentlichen Kapitalanlage erfolgen. Die Frühstartrente soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 für den Geburtsjahrgang 2020 starten. Ab dem kommenden Jahr kommt jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen hinzu. Auch für frühere Geburtsjahrgänge der unter 18-Jährigen können Verträge geschlossen werden, jedoch ohne staatliche Zuwendungen. Ein Antrag ist generell nicht nötig.
Finanzielle Auswirkungen und Chancen
Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro pro Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen. Klingbeil betonte: „Zentrales Ziel ist mehr Chancengleichheit. Eine frühe Altersvorsorge hängt heute oft von der Einkommens- oder Vermögenshöhe bei den Eltern ab. Diese Ungleichheit setzt sich dann oft bis ins Alter fort. Das wollen wir ändern.“
Das Finanzministerium rechnet mit großen Ertragschancen. Zahlen die Eltern monatlich zehn Euro dazu, steigt der Depotwert bis zum 18. Lebensjahr auf rund 4.400 Euro. Mit 65 Jahren liegt der Wert dann bei 107.000 Euro. Schießen die Eltern monatlich 50 Euro zu, können die Kinder mit 65 mit einem Depotwert von 320.000 Euro rechnen. Wenn die Eltern nichts dazugeben, liegt der Depotwert mit 18 bei 2.200 Euro und mit 65 Jahren bei rund 53.000 Euro.
Finanzkompetenz und Übergang zur privaten Vorsorge
Mit dem Projekt will die schwarz-rote Koalition auch die Finanzkompetenz in Deutschland stärken. Die Wertentwicklung soll für die jungen Menschen „in ihren persönlichen Depots unmittelbar erlebbar“ werden, heißt es aus Ministeriumskreisen. Der Gesetzentwurf spricht von „einer frühen praktischen Kapitalmarkterfahrung junger Menschen“ mit den Eltern. Eltern und Kinder sollen nachvollziehen können, wie sich das Vermögen entwickelt und welche Rolle Kapitalmarktmechanismen für die private Altersvorsorge spielen. Anbieter und öffentliche Stellen sollen dazu regelmäßig verständlich und transparent informieren.
Von der Frühstartrente soll es laut Gesetzentwurf einen nahtlosen Übergang in die steuerlich geförderte private Altersvorsorge ab Volljährigkeit geben. Dies ist Teil einer größeren Reform der privaten Altersvorsorge, die Schwarz-Rot bereits in Angriff genommen hat. Ziel ist es, die private Altersvorsorge günstiger, einfacher und unbürokratischer zu gestalten. Die Frühstartrente soll den Nachfolger für die wenig beliebte Riester-Rente darstellen, die unter der Null-Risiko-Strategie und hohen Kosten litt.



