Der Sportwagenhersteller Porsche setzt seinen Sparkurs fort und streicht bis 2035 zusätzliche 5.000 Stellen in der Region Stuttgart. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in Weissach. Das gab das Unternehmen gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat bekannt. Im Gegenzug wird die Standortsicherung um fünf Jahre bis Ende 2035 verlängert. Betriebsbedingte Kündigungen sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen.
Sozialverträglicher Abbau und Investitionen
Der Stellenabbau soll sozialverträglich erfolgen – vor allem über natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. An den Verhandlungen waren auch die IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall beteiligt. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und langfristig möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Das sogenannte Zukunftspaket sieht daher Investitionen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro vor. Damit soll unter anderem sichergestellt werden, dass die zweitürigen Sportwagen weiterhin in Zuffenhausen produziert und die Entwicklungsarbeit in Weissach gebündelt bleibt. Finanziert wird das Paket durch ein umfassendes Maßnahmenbündel, das die Personalkosten senken und die Arbeit flexibler und produktiver machen soll.
Einschnitte bei Gehältern und Homeoffice
Konkret bedeuten die Maßnahmen: Tariferhöhungen werden bis 2035 teilweise einbehalten, das Weihnachtsgeld sinkt, und der Mitarbeiterbonus wird stärker am Unternehmenserfolg ausgerichtet. Große Teile des Managements verzichten 2027 und 2028 auf Gehaltserhöhungen. Zudem wird Homeoffice künftig nur noch an maximal acht statt zwölf Tagen pro Monat möglich sein.
Bereits die zweite große Sparrunde
Das nun beschlossene Zukunftspaket ist bereits die zweite große Sparrunde bei Porsche. Im Februar 2025 hatten sich Management und Betriebsrat auf den Abbau von rund 1.900 Stellen in der Region Stuttgart bis 2029 geeinigt. Zusätzlich liefen die befristeten Verträge von etwa 2.000 Mitarbeitern aus. Auch am Standort Leipzig wurden Stellen gestrichen, und drei Tochterfirmen mit insgesamt rund 500 Beschäftigten wurden oder werden noch geschlossen. Insgesamt streicht Porsche in den kommenden Jahren mehr als jede dritte Stelle in seiner Heimatregion. Ende 2024 beschäftigte das Unternehmen in der Region Stuttgart rund 22.200 Menschen, ein Jahr später waren es noch etwa 20.600. Weltweit waren es Ende 2025 fast 41.800 Beschäftigte.
Gewinneinbruch und China-Krise
Hintergrund der Sparmaßnahmen ist die tiefe Krise bei Porsche. Der Konzernüberschuss des einstigen VW-Gewinnbringers brach 2025 um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Rückgang fort, wenn auch langsamer. Ursachen sind das kriselnde China-Geschäft, die US-Zollpolitik und die geringere Nachfrage nach Elektroautos. Hinzu kamen der Konzernumbau und strategische Entscheidungen wie die verstärkte Rückkehr zu Verbrennungsmotoren, die Milliarden kosteten. Auch 2026 erwartet Porsche dadurch Belastungen im hohen dreistelligen Millionenbereich. Der Absatz fiel 2025 um ein Zehntel auf 279.400 Fahrzeuge – der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020. Besonders dramatisch ist die Lage in China: Zwischen 2021 und 2025 halbierte sich der Absatz dort.
Überkapazitäten in den Werken
Das Fertigungsnetz von Porsche war einmal für 350.000 bis 400.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt. Aktuell steuert das Unternehmen jedoch auf 250.000 oder weniger zu. Die Werke sind nicht ausgelastet, viele Fixkosten laufen aber weiter. Der seit Januar amtierende Porsche-Chef strebt daher eine schlankere Struktur an, die auch mit deutlich weniger verkauften Autos hohe Gewinne erzielen kann. Auf der Hauptversammlung skizzierte er die Grundzüge seiner Strategie: Die Produktpalette soll gestrafft und die Zahl der Modellvarianten reduziert werden. Zugleich denkt der Manager über neue Fahrzeuge in margenstärkeren Segmenten nach – sowohl oberhalb der zweitürigen Sportwagen als auch oberhalb des Cayenne. Eine Rückkehr zu den früheren Traumrenditen von nahe 20 Prozent erwartet er nicht. Mittelfristig sollen 10 bis 15 Prozent vom Umsatz als Gewinn übrigbleiben. „Die deutliche Verbesserung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird vor allem mit unseren künftigen Produkten kommen“, so Leiters. Das brauche aber Zeit.
Ausblick und Vergleich mit VW
Wie sich Porsche im ersten Halbjahr geschlagen hat, will das Management am Mittwoch präsentieren. Die Prognose wurde zuletzt bestätigt. Spannend bleibt, welche Folgen die Einigung für den VW-Konzern hat. VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume – bis Ende 2025 auch Porsche-Chef – versucht derzeit, ein weitaus härteres Sparpaket durchzusetzen. Vier deutsche Standorte von VW und Audi sowie bis zu 50.000 Stellen weltweit stehen auf der Kippe – zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 konzernweit abgebaut werden sollen. Der Porsche-Kompromiss fällt im Vergleich großzügiger aus: Die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2035 ist länger als bei VW und Audi, und Werksschließungen stehen nicht zur Debatte. Das könnte Blume in Zugzwang bringen, da in den Aufsichtsräten teilweise dieselben Personen sitzen – insbesondere Vertreter der Familien Porsche und Piëch. Die Betriebsräte bei VW und Audi dürften jede künftige Vereinbarung am Porsche-Deal messen.



