Ravensburger übernimmt Mehrheit an Steiff
Der Spielehersteller Ravensburger übernimmt eine Mehrheit am traditionsreichen Plüschtierhersteller Steiff. Wie beide Unternehmen gemeinsam mitteilten, verkauft die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der Gründerin Margarete Steiff gehalten wird, ihre Anteile. Steiff soll weiterhin eigenständig geführt werden. Der Kaufpreis bleibt unter Verschluss, die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.
Zwei Traditionsmarken unter einem Dach
Durch die Übernahme sind zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken künftig eng verflochten. Ravensburger ist vor allem für Gesellschaftsspiele wie „Fang den Hut“, „Memory“ und „Das verrückte Labyrinth“ bekannt, aber auch für Puzzles und das Lernsystem „Tiptoi“. Steiff, Erfinder des Teddybären, steht seit über 140 Jahren für hochwertige Plüschtiere, erkennbar am Knopf im Ohr. Der Sitz von Steiff ist in Giengen an der Brenz in Baden-Württemberg.
Familie Steiff sichert Zukunft ab
Ravensburger-Chef Clemens Maier begründete den Schritt mit der emotionalen Stärke der Kultmarke: „Unser Firmengründer Otto Maier war inspiriert von der Vorstellung, Spielzeug für Hirn, Hand und Herz zu entwickeln. Steiff steht dabei in besonderer Weise für das Herz.“ Die Familie Steiff will mit dem Verkauf die Weichen für eine langfristige Perspektive stellen. Geschäftsführer Frederik Reimann betonte: „Für uns war entscheidend, Steiff in verantwortungsvolle, unternehmerische Hände zu geben.“
Ravensburger in wirtschaftlich schwieriger Phase
Die Übernahme kommt für Ravensburger in einer Zeit des wirtschaftlichen Gegenwinds. Nach einem Rekordumsatz von 790 Millionen Euro im Jahr 2024, angetrieben durch das Sammelkartenspiel „Disney Lorcana“, sank der Umsatz 2025 auf 742 Millionen Euro. Das Kerngeschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern legte zwar zu, der Sammelkarten-Boom ließ aber nach. Zudem steigt der Kostendruck, weshalb Ravensburger einen Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich plant.
Expansion durch Zukäufe
Bereits im Frühjahr kündigte Ravensburger an, sich breiter aufstellen zu wollen, unter anderem durch den Ausbau des Eventportfolios mit Sammelkarten-Turnieren und Speedpuzzle-Wettbewerben. Die Steiff-Übernahme ist nicht der erste Zukauf: Ravensburger beteiligte sich kürzlich mehrheitlich am NordSüd Verlag, dem größten Schweizer Kinderbuchverlag. Zur Ravensburger-Gruppe gehören bereits Marken wie Brio (Holzeisenbahnen) und FX Schmidt (Spielkarten).
Vom Nadelkissen zum Teddybären
Die Geschichte von Steiff begann 1877, als Margarete Steiff einen kleinen Stoffelefanten als Nadelkissen herstellte. Dieser wurde schnell zum Verkaufsschlager. 1902 entwarf ihr Neffe Richard Steiff den ersten Teddybären mit beweglichen Armen und Beinen, der ab 1906 unter dem Namen „Teddybär“ verkauft wurde – benannt nach US-Präsident Theodore Roosevelt. Heute bietet Steiff auch Kuscheltiere in Fußballtrikots und Disney-Figuren an.
Finanzielle Lage von Steiff
Die Steiff Beteiligungsgesellschaft, zu der auch ein Automobilzulieferer und eine Weberei gehören, erzielte 2023 mit knapp 1.300 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 94 Millionen Euro, wovon mehr als zwei Drittel auf das Spielzeuggeschäft entfielen. 2019 lag der Umsatz noch bei über 112 Millionen Euro. Der Verlust 2023 betrug gut 416.000 Euro, hauptsächlich bedingt durch die schwächelnde Autosparte. In den Vorjahren schrieb die Gruppe mehrfach rote Zahlen.
Branche im Umbruch
Auch andere Spielzeughersteller suchen nach neuen Wegen. Die Simba-Dickie-Group, zu der Bobby-Car-Hersteller Big und Märklin gehören, übernahm Anfang 2026 eine US-Firma. Playmobil setzt angesichts sinkender Umsätze auf neue Zielgruppen, etwa mit Figuren der Fußball-Nationalmannschaft.



