Der Rüstungskonzern Rheinmetall baut sein bestehendes Werk im bayerischen Aschau am Inn zur größten Pulverfabrik in Europa aus. Bei der Grundsteinlegung am Dienstag betonte Vorstandschef Armin Papperger die strategische Bedeutung: „Die Nato ist nicht kampffähig ohne diesen Standort hier in Aschau.“ Statt bisher 1700 Tonnen Treibladungspulver für die Artillerie sollen künftig bis zu 4200 Tonnen pro Jahr produziert werden. Die Zahl der Treibladungsmodule, mit denen Granaten aus den Rohren geschossen werden, steigt von 300.000 auf eine Million. Papperger bezifferte die Investition in den Standort auf rund 500 Millionen Euro. Das neue Werk der Rheinmetall-Tochter Nitrochemie werde in 12 bis 13 Monaten die Produktion aufnehmen.
Umsatz und Belegschaft wachsen deutlich
Allein in Aschau werde Rheinmetall künftig 700 Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften – drei- bis viermal so viel wie bisher. Die Belegschaft in Aschau soll von derzeit 850 auf mehr als 1400 Mitarbeiter wachsen, obwohl die Produktion mit dem Ausbau weitgehend automatisiert wird. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte bei der Grundsteinlegung: „Hier entsteht das größte und modernste Pulverwerk in Europa. Damit wird gewährleistet, dass Deutschland und die Nato genügend Pulver haben.“
Treibladungen auch für die Ukraine
Die Treibladungen aus Aschau kommen auch in der Ukraine zum Einsatz. Die erweiterte Produktion verschaffe der Nato mehr Glaubwürdigkeit, sagte Papperger. Rheinmetall stellt Pulver abgesehen von Aschau auch in Spanien und in Südafrika her. In einem großen Waldstück bei Aschau, 70 Kilometer östlich von München, werden seit mehr als 80 Jahren Sprengladungen und die Rohstoffe dafür produziert – für die Rüstung, aber von der ZF-Tochter ZF Lifetec auch für zivile Anwendungen wie Auto-Airbags. Rheinmetall war 1994 in die damalige WNC Nitrochemie eingestiegen, die seit 1998 ein Gemeinschaftsunternehmen mit der staatlichen schweizerischen RUAG ist.



