SAP-Aktie im freien Fall: KI-Apokalypse bedroht Geschäftsmodell
SAP-Aktie im freien Fall: KI bedroht Geschäftsmodell

Die SAP-Aktie befindet sich im freien Fall. Seit ihrem Allzeithoch von rund 284 Euro am 19. Februar 2025 hat sich der Kurs auf zuletzt unter 140 Euro mehr als halbiert. Einst war SAP das wertvollste Dax-Unternehmen, inzwischen wurde der Softwarekonzern aus Walldorf vom Technologiekonzern Siemens überholt und liefert sich mit der Allianz ein Rennen um Platz zwei. Am Donnerstag legt SAP seine Halbjahreszahlen vor. Der Druck auf den Vorstand um CEO Christian Klein ist groß.

Was macht SAP? Vom Lizenzverkäufer zum Cloud-Anbieter

SAP ist ein Softwarehersteller, der 1972 von fünf ehemaligen IBM-Mitarbeitern, darunter Dietmar Hopp und Hasso Plattner, gegründet wurde. Das Unternehmen ist bekannt für seine Software zur Unternehmenssteuerung, die Geschäftsprozesse in den Bereichen Finanzen, Personal, Fertigung, Vertrieb oder Beschaffung abbildet. Lange liefen die Programme lokal auf den Servern der Kunden, doch unter Klein hat SAP eine Cloud-Strategie verfolgt: Statt hoher Einmalzahlungen zahlen Kunden im Abo (Software-as-a-Service, SaaS) und erhalten dafür einfacher Updates, etwa für KI-Anwendungen.

Geschäfte laufen gut – aber die Aktie fällt

Operativ lief es zuletzt eigentlich gut: 2025 stieg der Umsatz dank starkem Cloudwachstum um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte unter anderem durch Einsparungen bei einem großen Personalumbau um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 7,5 Milliarden Euro. Allerdings rechnete SAP zuletzt für das erste Quartal 2026 mit einem langsameren Geschäftswachstum – trotz der gefragten Cloudsoftware.

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Die "SaaS-Apokalypse": KI-Agenten bedrohen das Lizenzmodell

Der Hauptgrund für den Kurssturz ist die sogenannte "SaaS-Apokalypse". "Die Sorge ist, dass KI-Programme oder KI-Agenten selbstständig Aufgaben übernehmen können, wofür SAP und alle großen Softwarehersteller bisher Lizenzen verkaufen", sagt Oliver Frey, Analyst beim Bankhaus Metzler. Kunden bräuchten dann die Abos nicht mehr, das "klassische Pro-Nutzer-pro-Monat-Modell" wäre ausgehebelt. Dies treffe nicht nur SAP, sondern die gesamte Softwarebranche.

"KI wird das zentrale Thema bei SAP sein", so Frey. Künftig werde es wahrscheinlich eine zentrale KI-Ebene geben, von der Agenten auf Systeme im Hintergrund zugreifen und Anfragen steuern. "Genau darüber diskutiert jetzt der Markt: Wer wird diese Orchestrierungsebene für sich beanspruchen?" Die Sorge sei, dass SAP die Steuerungsebene verliere und zum reinen Datenlieferanten werde. Gleichzeitig sei der Datenschatz eine Stärke und ein Alleinstellungsmerkmal. "Es wird schwierig werden, SAP diese großen Systeme wegzunehmen, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind", sagt Frey. SAP sei der Platzhirsch bei Unternehmenssoftware und habe eine gute Ausgangslage – wichtig sei, KI ins Produktportfolio einzubauen.

Analysten: KI-Damoklesschwert schwebt über ganzer Branche

"Das KI-Damoklesschwert schwebt nicht nur über SAP, sondern über der ganzen Softwarebranche", sagt LBBW-Analyst Mirko Maier. SAP habe gerade den jahrelangen Wandel vom Lizenzverkäufer zum Cloud-Anbieter geschafft. "Jetzt kommt das nächste Thema um die Ecke und da hat der Kapitalmarkt vielleicht seine Bedenken, wenn das wieder ein langjähriger Umstieg wird, der das Geschäftsmodell nachhaltig tangiert." Wenn SAP beweise, dass sie zu den KI-Profiteuren gehöre, könne sich die Marktmeinung wandeln.

Was sagt SAP selbst?

Ein Unternehmenssprecher teilte auf Anfrage mit: "Die Entwicklung des SAP-Aktienkurses spiegelte die allgemeine Marktvolatilität, geopolitische Unsicherheiten sowie veränderte Anlegerpräferenzen im Technologiesektor wider, die zuletzt insbesondere durch die Dynamik rund um Künstliche Intelligenz geprägt waren." Ungeachtet dessen habe SAP eine starke operative Entwicklung gezeigt und die langfristige Strategie konsequent umgesetzt.

SAP-Chef Christian Klein sagte dem "Manager Magazin" Ende Januar: "Wir sind nicht die Einzigen, die gerade unter Druck stehen, es betrifft nahezu die gesamte Softwareindustrie." Aber SAP werde den Trend umkehren. "Am Ende muss KI echten Geschäftswert in den Unternehmen schaffen – der Hype wird auch bei der angewandten KI ankommen."

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