Studie enthüllt: Spritpreise um 6-7 Cent überhöht - CO₂-Abgabe nicht allein verantwortlich
Spritpreise 6-7 Cent zu hoch laut RWI-Studie

Spritpreise an Tankstellen deutlich überhöht: Studie enthüllt Abzocke

Frankfurt am Main – An den deutschen Tankstellen müssen Autofahrer seit dem Jahreswechsel deutlich tiefer in die Tasche greifen. Während die Spritpreise um bis zu zehn Cent pro Liter angestiegen sind, zeigt eine aktuelle Untersuchung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung nun auf, dass diese Erhöhung nicht allein durch die gestiegene CO₂-Abgabe gerechtfertigt ist. Tatsächlich sind die Preise für Benzin und Diesel laut der Studie um sechs bis sieben Cent pro Liter überhöht.

CO₂-Preiserhöhung erklärt nur Teil des Preissprungs

Zum Jahreswechsel wurde das System der CO₂-Bepreisung reformiert. Statt eines festen Preises von 55 Euro pro Tonne im Vorjahr gilt nun ein Korridor zwischen 55 und 65 Euro. Energie-Wissenschaftler Professor Manuel Frondel vom RWI berechnete, dass diese Änderung maximal einen Aufschlag von 2,8 Cent bei Benzin und 3,2 Cent bei Diesel rechtfertigen würde – inklusive Mehrwertsteuer. Der Tankstellenverband en2x kommt zu ähnlichen Zahlen und bestätigt damit die RWI-Berechnungen.

Doch die Realität an den Zapfsäulen sieht anders aus: Der ADAC verzeichnete im Januar eine Verteuerung von 9,4 Cent für Diesel und 8,6 Cent für Super E10. „Die Frage, welcher CO₂-Preis aktuell tatsächlich eingepreist wird, ist völlig unklar“, erklärte Professor Frondel gegenüber der FAZ. RWI-Ökonom Patrick Thiel ergänzt: „Die Bevölkerung hat ein Recht zu erfahren, wie sich die Preise an der Zapfsäule zusammensetzen.“

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Zertifikate-Zocken und unklare Kalkulation

Ein möglicher Grund für die überhöhten Preise könnte in der bevorstehenden Versteigerung von CO₂-Zertifikaten liegen. Offiziell starten diese Auktionen erst am 1. Juli, doch viele Anbieter kalkulieren bereits jetzt mit Werten im oberen Bereich des Korridors. Ein ADAC-Sprecher erläutert: „Da von Juli an eine Verknappung durch die Auktionen theoretisch möglich ist, kalkulieren Anbieter oft mit Werten im oberen Bereich des Korridors.“

Doch selbst wenn man den gestiegenen Ölpreis der Nordseesorte Brent und Wechselkursschwankungen berücksichtigt, bleiben die Spritpreise laut RWI deutlich überteuert. Konkret sind Super E10 um 6,5 Cent und Diesel um 7,4 Cent pro Liter zu teuer. Damit lassen sich zwei Drittel des beobachteten Preisschocks nicht mit der CO₂-Abgabe erklären.

Transparenz und Verbraucherschutz gefordert

Die Studie des RWI Leibniz-Instituts wirft ernste Fragen zur Preisbildung an deutschen Tankstellen auf. Während offiziell die gestiegene CO₂-Abgabe als Hauptgrund für die Preisexplosion genannt wird, zeigt die Untersuchung, dass andere Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Verbraucherschützer und Ökonomen fordern mehr Transparenz bei der Preisgestaltung, damit Autofahrer nachvollziehen können, wofür sie an der Zapfsäule bezahlen.

Die aktuelle Situation verdeutlicht, wie wichtig unabhängige Kontrollen und Studien sind, um mögliche Übervorteilungen der Verbraucher aufzudecken. In Zeiten ohnehin hoher Mobilitätskosten sind transparente und faire Preise an der Tankstelle von besonderer Bedeutung für alle Autofahrer in Deutschland.

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