Dino Toppmöller (45) hat erstmals öffentlich über sein Aus bei Eintracht Frankfurt gesprochen. In einem Interview mit der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ kritisiert der heutige Trainer des RC Lens den Ex-Klub deutlich: Der Verkauf von Verteidiger Tuta (27) ohne adäquaten Ersatz sei gegen seinen ausdrücklichen Rat erfolgt und habe maßgeblich zu den defensiven Problemen in seiner dritten Saison beigetragen.
Toppmöller wehrt sich gegen Kritik an seiner Defensivarbeit
Toppmöller, der im Januar bei Eintracht Frankfurt entlassen wurde und seitdem beim französischen Erstligisten RC Lens an der Seitenlinie steht, stellte klar: „In meinen ersten beiden Jahren in Frankfurt hatten wir die sechst- bzw. fünftbeste Abwehr.“ Damit widerspricht er dem Vorwurf, grundsätzlich keine Defensive trainieren zu können. In der Hinrunde der Vorsaison hatte Eintracht zeitweise die schwächste Abwehr Europas gestellt und viele Gegentore kassiert.
Kritik an der Transferpolitik: Tuta-Verkauf ohne Ersatz
Der gebürtige Saarländer übt scharfe Kritik an der Kaderplanung der Hessen: „Doch in der dritten Saison verkauften wir unseren besten Verteidiger und ersetzten ihn nicht, entgegen meinem Rat. Außerdem wechselte unser Stammtorwart Kevin Trapp zum FC Paris.“ Gemeint ist der Wechsel von Tuta zu Al-Duhail nach Katar, der kurz vor Ende der Transferperiode im Sommer 2025 über die Bühne ging. Eintracht reagierte nicht und holte keinen Ersatz – ein Fehler, der sich in der vergangenen Saison rächen sollte.
Zwei Spiele, die Toppmöller bis heute nicht versteht
Besonders zwei Begegnungen wurden Toppmöller immer wieder vorgehalten, obwohl Frankfurt beide gewann. Beim spektakulären 6:4 in Gladbach führten die Hessen nach einer Stunde bereits 6:0. Weil Toppmöller mit Blick auf die Champions League kräftig durchrotierte, kam Borussia noch auf 4:6 heran. Für den Trainer war die Kritik daran bis heute nicht nachvollziehbar: „In Gladbach führten wir in der 60. Minute 6:0, also wechselte ich fünf Spieler aus, um sie wegen der Champions League zu schonen, und wir kassierten vier Gegentreffer. Ich wurde dafür kritisiert, aber wenn man in dieser Situation nicht rotiert, wann dann?“
Kölner 4:3-Erfolg als weiteres Beispiel
Das andere Spiel war der 4:3-Erfolg in Köln Ende November. Lange Zeit sah Eintracht wie der sichere Sieger aus, am Ende wurde es nochmal richtig eng. Toppmöller sagt: „Und wieder Kritik. Alle waren vom 5:4 zwischen PSG und Bayern begeistert, aber in Frankfurt geht das nicht? Die Leute verstehen das Managen nicht.“ Der Trainer zeigt sich unverständlich gegenüber der öffentlichen Wahrnehmung.
Blick nach vorne: Mit Lens in die Champions League
Das Eintracht-Kapitel ist für Toppmöller abgeschlossen. Sein Fokus liegt voll auf RC Lens, mit dem er in der Champions League antritt – wie zuvor mit Eintracht. Er sieht Parallelen zwischen den Klubs: „Lens ist ein bisschen wie Eintracht Frankfurt, nur mit weniger finanziellen Mitteln, denn die Krise bei den TV-Rechten hat allen Teams der Ligue 1 zugesetzt. Es herrscht Leidenschaft, die Menschen tragen den Fußball im Herzen, die Mannschaft versucht, die Werte des Vereins zu wahren, und das finde ich großartig.“



