VDA-Präsidentin Müller: Reformbedarf in Autoindustrie trotz Protesten
VDA-Chefin Müller: Reformbedarf in Autoindustrie

Angesichts der Sparpläne bei Volkswagen und Mercedes-Benz hat die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, weiteren Reformbedarf in der Branche angemahnt. In einer Mitteilung betonte Müller die Notwendigkeit von Kostendisziplin, Personalanpassungen und tiefgreifenden Reformen der Geschäftsmodelle. Konkrete Aussagen zu einzelnen Unternehmen machte sie nicht.

Müller: Handlungsbedarf nicht leugnen

„Die Unternehmen der Automobilindustrie werden mit Blick auf die andauernden und akuten Standortprobleme weitere Reformen und Anpassungen vornehmen müssen“, erklärte Müller. „Dazu gehören Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle.“ Den Handlungsbedarf zu leugnen, sei keine Option: „Es ist kurzsichtig und wegen seiner Konsequenzen unsozial.“

Die Branche stehe vor der Aufgabe, „ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten“. Die Realität habe die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährde zunehmend Arbeitsplätze. „Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht halten können“, so Müller.

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VW-Aufsichtsrat berät über schärferen Sparkurs

In Wolfsburg findet am Donnerstag eine VW-Aufsichtsratssitzung statt, auf der über mögliche weitere Einschnitte beraten wird. IG Metall und Betriebsrat halten mit einem bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten dagegen. Geplant sind Kundgebungen und ein Autokorso bei Porsche in Stuttgart. Laut „Manager Magazin“ will VW seinen Sparkurs deutlich verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen – doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Der „Spiegel“ berichtet, dass die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen könnte.

Müller fordert Öffnung für ausländische Hersteller

Um Arbeitsplätze zu sichern, forderte Müller: „Wir müssen die Standorte hier auch für ausländische Hersteller öffnen. Mit jedem Werk, das wir hier halten können, halten wir Arbeitsplätze.“ VW-Chef Oliver Blume hatte zuletzt angekündigt, die Produktion chinesischer VW-Modelle in Europa zu prüfen, um die Auslastung der Werke zu verbessern. „Wir werden prüfen, ob es in Europa Absatzmöglichkeiten für unsere chinesischen Autos gibt“, sagte Blume bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende April.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (beide SPD) sprachen sich dafür aus, Modelle aus China nach Europa zu holen. In Betracht kämen laut Blume eigene Modelle, die VW in China speziell für den dortigen Markt entwickelt hat. Spekulationen, VW könne komplette Standorte an chinesische Hersteller abgeben, wies Blume zurück: Es gebe aktuell keine Überlegungen oder Gespräche.

Bereits 37.000 Stellenabbaumaßnahmen vereinbart

Bis 2030 hat Volkswagen den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. In Dresden ist die Fahrzeugproduktion jüngst ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern nach einer Lösung, wenn dort im kommenden Jahr die Cabrio-Fertigung endet. Vor allem Rüstungskonzerne sind dort als mögliche Partner im Gespräch.

Am vergangenen Freitag hatten bereits bundesweit Zehntausende Beschäftigte von Mercedes-Benz gegen eine geplante Verschärfung des Sparkurses protestiert.

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