Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zeigt, dass die Umrüstung von Verbrennern auf Elektroantrieb ein enormes ökologisches Potenzial birgt. Würden allein die 2,4 Millionen zugelassenen VW Golf 7 der Baujahre 2012 bis 2021 auf E-Antrieb umgerüstet, ließen sich jährlich 2,76 Millionen Tonnen CO2 einsparen – mehr als durch ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen.
Technische Machbarkeit und Kosten
Die Umrüstung, auch Retrofit genannt, ist technisch machbar: Verbrennungsmotor und Abgasanlage werden ausgebaut, ein Hochvoltsystem mit E-Maschine und Akku eingebaut. Das Fraunhofer ISI geht von Kosten von rund 15.000 Euro pro Umbau aus, basierend auf einer jährlichen Laufleistung von 14.000 Kilometern. Bei Nutzung von Solarstrom verbessert sich die CO2-Einsparung pro Fahrzeug von 1,15 auf 1,9 Tonnen pro Jahr.
Das Unternehmen E-Revolt aus Dachau bietet Umrüstungen bereits ab etwa 12.500 Euro an, inklusive zweijähriger Garantie. Gründer Ralf Schollenberger betont: „Kundenanfragen gibt es viele, für VW Golf, aber auch betagte Audi A2, Volvo V70 oder 3er BMW.“ Für eine breite Marktdurchdringung sei jedoch Skalierbarkeit nötig – durch Investoren, Großaufträge und politische Förderung.
Politische und wirtschaftliche Hürden
Die Bundesregierung fördert derzeit nur den Kauf neuer Elektroautos, nicht aber Umrüstungen. Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums argumentiert, dass Neuwagen einen hohen Reifegrad hätten und die Umrüstkosten „in der Regel die Kosten des Kaufs eines neuen marktreifen Fahrzeugs“ überstiegen. Auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) äußert Skepsis: „Ein Pkw ist ein hochintegriertes Gesamtsystem“, so ein Sprecher. Der Austausch betreffe nicht nur Antrieb und Energiespeicher, sondern auch Fahrwerk, Bremsanlage, Thermomanagement, Hochvoltsicherheit, Bordelektronik und Softwarearchitektur. Der Aufwand gehe weit über einen klassischen Motorwechsel hinaus.
Wirtschaftlichkeit für Autobesitzer
Autohalter könnten finanziell profitieren: Durch die CO2-Besteuerung steigen die Spritpreise, während Fahrstrom günstiger sein kann, insbesondere bei eigener Lademöglichkeit. Hinzu kommen niedrigere Reparaturkosten und mögliche Vorteile bei Kfz-Steuer und Versicherung. Allerdings hängt die Wirtschaftlichkeit stark vom Alter, Gesamtzustand und Restwert des Fahrzeugs ab. Der ZDK betont: „Eine pauschale Lösung für den Massenmarkt ist derzeit nicht erkennbar.“
Internationale Perspektive
Michael Krail, Leiter des Fachbereichs Mobilität am Fraunhofer ISI, sieht gerade international ein großes Potenzial: Weltweit sind mehr als 1,25 Milliarden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor unterwegs. „Daher braucht es auch die Umrüstung, wenn man die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr weltweit reduzieren beziehungsweise eine komplette Dekarbonisierung erreichen will“, so Krail. Das Durchschnittsalter der Pkw in Deutschland stieg 2026 auf 10,9 Jahre – so hoch wie nie zuvor. Dies könnte die Bereitschaft erhöhen, in den alten Gebrauchten zu investieren.



