Der Aufsichtsrat von Volkswagen trifft sich am Donnerstagnachmittag, um über ein neues Geschäftsmodell zu beraten. Dabei geht es um die Zukunft von vier Fahrzeugwerken in Deutschland. Konzernchef Oliver Blume will die Kapazitäten weiter reduzieren und sich auf einen dauerhaft niedrigeren Absatz einstellen. Weitere Zehntausende Arbeitsplätze sind in Gefahr.
Proteste und Patt im Aufsichtsrat
Begleitet werden die Beratungen von Protestaktionen der Arbeitnehmer an allen deutschen Standorten. Die IG Metall hat ein klares Signal gesendet: „Nicht mit uns!“ Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge geleistet, so IG-Metall-Chefin Christiane Benner. Sie forderte den Vorstand auf, sich um das Optimierungspotenzial zwischen den Marken zu kümmern, anstatt die Versäumnisse der letzten Jahre auf dem Rücken der Belegschaft abzuladen.
Im Aufsichtsrat herrscht derzeit ein Patt, nachdem sich Ex-Renk-Chefin Susanne Wiegand überraschend zurückgezogen hat. Normalerweise hätte die Kapitalseite dank des doppelten Stimmrechts von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eine Mehrheit. Nun steht Blume vor der Aufgabe, auch die IG Metall von seinen Plänen zu überzeugen.
Überkapazitäten trotz Sparprogramm
Trotz des Sparprogramms von 2024 sind die Überkapazitäten weiterhin hoch. Laut Daten des Dienstleisters Mobility Global liegt die Auslastung aller deutschen VW-Werke im laufenden Jahr bei rund 81 Prozent. Bis Ende des Jahrzehnts könnte sie auf 73 Prozent sinken. Besonders stark wäre der Rückgang in Zwickau, wenn der ID.3 nach Wolfsburg verlagert wird.
Insidern zufolge geht es um die Werke in Emden, Zwickau, Hannover (Nutzfahrzeuge) und Neckarsulm (Audi). Diese könnten nach dem Auslaufen der aktuell gefertigten Modelle keine neuen Fahrzeuge mehr erhalten. Blume steht unter Druck der Familien Porsche und Piech, deren Holding Porsche SE zuletzt Milliarden auf ihre VW-Beteiligung abschreiben musste.
Verschärfte Lage durch Zölle und China-Einbruch
Erst kurz vor Weihnachten 2024 hatte VW den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland und das Ende der Autofertigung in Osnabrück und Dresden beschlossen. Doch seither hat sich die Situation deutlich verschärft. Die Zölle von US-Präsident Donald Trump erschweren Importe in die USA, der chinesische Automarkt bricht ein, und chinesische Anbieter nehmen in Europa massiv Marktanteile weg.
Blume hatte bei der Jahres-Pressekonferenz auf einen weiteren Sparkurs eingestimmt und angekündigt, jeden Stein im Konzern umzudrehen. Der VW-Konzern beschäftigt weltweit rund 670.000 Mitarbeiter.



