Volkswagen verschärft seinen Sparkurs drastisch: Konzernchef Oliver Blume plant, die Produktion in den Werken Zwickau und Emden ab 2031 auslaufen zu lassen. Das Nutzfahrzeugwerk in Hannover soll 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034. Dies erfuhr der SPIEGEL aus Aufsichtsratskreisen. Insgesamt sind rund 40.000 Beschäftigte in diesen vier deutschen Standorten betroffen. Zudem sollen bis 2030 etwa 50.000 Stellen gestrichen werden.
Massive Investitionskürzung geplant
Blume will die schwache Rendite von VW bis 2030 auf neun Prozent mehr als verdreifachen. Dafür sollen die Investitionen von zuletzt 180 Milliarden Euro auf 135 Milliarden Euro im Zeitraum 2027 bis 2031 sinken – eine Reduzierung um 45 Milliarden Euro. Die Pläne sind eng verknüpft: Modelle, die bislang in deutschen Werken gefertigt werden, sollen künftig in günstigeren osteuropäischen Standorten wie Bratislava oder Györ gebaut werden. Für die deutschen Werke sucht Blume alternative Nutzungen, etwa einen Verkauf an Rüstungsunternehmen.
Widerstand im Aufsichtsrat erwartet
Im Aufsichtsrat, der heute ab 14.30 Uhr in Wolfsburg tagt, zeichnet sich massiver Widerstand ab. Betriebsratschefin Daniela Cavallo und das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stimmrechte hält, lehnen Werksschließungen ab. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) haben sich in den vergangenen Wochen klar dagegen positioniert.
Blume will den Einfluss Niedersachsens umgehen, indem er die Marke VW gesellschaftsrechtlich vom Konzern trennt und als gewöhnliche Tochter wie Audi oder Skoda führt. Das VW-Gesetz, das dem Land Mitsprache bei Werksentscheidungen sichert, würde damit ausgehebelt. Auch die interne Komponente mit Werken in Kassel, Braunschweig und Salzgitter soll als eigenständige Einheit unter dem Konzerndach aufgestellt werden.
Harte Auseinandersetzung im Präsidium
Bereits im Präsidium, das seit acht Uhr tagt, wird laut SPIEGEL-Informationen hart um den Wortlaut der Beschlussfassung gerungen. Eine Zustimmung zu Blumes Plan oder eine Abstimmung darüber gilt als ausgeschlossen. In dem Gremium, dem unter anderem Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch und IG-Metall-Chefin Christiane Benner angehören, verlaufen Sitzungen normalerweise sachlich.
Hintergrund der Krise
Volkswagen leidet unter sinkenden Gewinnen: Die operative Rendite lag im ersten Quartal 2026 bei nur 3,3 Prozent, weit unter dem Ziel von 8 bis 10 Prozent. Hauptgründe sind der Absatzeinbruch in China durch heimische Konkurrenten wie BYD sowie US-Zölle unter Donald Trump, die den Konzern jährlich fünf Milliarden Euro kosten. Zudem muss VW parallel in Elektromobilität und Verbrenner investieren.



