VW plant Werksschließungen: Arbeiter protestieren gegen Jobabbau
VW-Werke vor dem Aus: Arbeiter protestieren

Angst und Fassungslosigkeit bestimmen die Stimmung vor den VW-Werken in Deutschland. Der Konzern plant nach BILD-Informationen den Abbau von bis zu 120.000 Arbeitsplätzen. Laut internen Geheimpapieren zum „Zielbild 2030“ ist eine erneute „Anpassung der Personalkapazitäten um rund 55.000 bis 70.000 Mitarbeiter“ vorgesehen. Bereits bestehende Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite sehen einen Abbau von 50.000 Jobs vor. Die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm stehen besonders unter Druck: Nach Auslaufen der aktuellen Modelle gibt es keine Garantie für neue Fahrzeuge an diesen Standorten.

Proteste in Zwickau und Emden

BILD sprach in Zwickau (Sachsen) und Emden (Niedersachsen) mit Arbeitern, die sich am Donnerstag zum Schichtwechsel zu Protestveranstaltungen versammelten. Montagearbeiter Tobias Reinhardt (48) sagte in Zwickau: „Die Situation ist erschreckend. Ich mache mir Sorgen – um mich und die ganze Region. Wir brauchen eine klare Zusage zum Standort. Keiner redet mit uns. Alles was wir erfahren, sind Gerüchte.“

Norah Kaltenpoth (30), Mitarbeiterin in der VW-Transportabwicklung, schildert ihre Ängste: „Ich bin alleinerziehende Mutter eines kleinen Jungen und habe nur noch Angst. Ich fühle mich wie auf einer Brücke, die kurz vorm Einsturz steht. Alles hängt in der Schwebe, keiner gibt verlässliche Antworten. Ich bin nicht direkt bei VW angestellt, sondern kümmere mich bei einem Transportabwickler um Handling und Verladung der Autos, die das Werk verlassen. Sie können sich vorstellen, dass man da noch weniger erfährt.“

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Sechs Milliarden Euro Investitionen in Zwickau

Denise Tschiersch (55), Betriebsrätin im Zwickauer Werk, betont die Absurdität der Situation: „Die Situation ist schlichtweg unfassbar. Wir haben hier in Zwickau ein super ausgestattetes Werk, in das allein in den letzten Jahren sechs Milliarden Euro investiert wurden. Wir brauchen endlich zukunftsfähige Modelle.“

Torsten Ullmann (54), Mitarbeiter in der Personalabteilung, macht sich Sorgen um seine Altersvorsorge: „Wir brauchen endlich wieder Ruhe. Für Autos und deren Preisgestaltung können wir nichts - da müssen andere endlich ihre Hausaufgaben machen. Auch das mit der E-Mobilität war nicht die Idee der Belegschaft. Wenn ich mit 54 rausfliege, droht mir Altersarmut. Aber es trifft die ganze Familie. Mein Sohn arbeitet schließlich auch hier. Zumindest kann ich froh sein, dass ich keine Kredite für einen Hausbau abzuzahlen habe. Aber egal, Einschränkungen drohen trotzdem.“

Betriebsrat: Ungewissheit macht krank

Betriebsrat Ronny Lerche (54) ergänzt: „Ich arbeite seit 1992 bei VW und habe auch noch die guten Zeiten erlebt. Jetzt macht uns die Ungewissheit nur noch krank. Es geht hier um Menschen, um ganze Familien – wir brauchen Verlässlichkeit und Zukunftssicherheit.“

Auch vor dem VW-Werk in Emden protestierten Gewerkschaft und Arbeiter. Ingo, der seit 38 Jahren bei VW arbeitet, sagt zu BILD: „Für uns ist das ein Schlag in die Fresse. Vor zwei Jahren ist alles abgesprochen worden und jetzt wird alles schon wieder über den Haufen geworfen. Das geht so nicht. Alle haben Angst um ihre Zukunft.“

Auszubildende fürchten um ihre Zukunft

Tanja (37) arbeitet erst zwei Jahre bei VW und hat eine Ausbildung absolviert: „Ich bin seit zwei Jahren bei VW und habe mich entschieden, eine Ausbildung zu machen, weil ich dachte, einen zukunftssicheren Job zu haben. Gerade in meinem Alter ist das meine letzte Chance und umso schlimmer ist es, dass jetzt schon wieder darüber nachgedacht wird, das Werk zu schließen.“

Der Auszubildende Mathis van der Ploeg (18) macht sich ebenfalls große Sorgen: „Ich mache gerade meine Ausbildung bei VW. Mein Vater arbeitet hier seit 45 Jahren, und wenn man ehrlich ist, verdient man hier auch gutes Geld. Es wäre schon schlimm, wenn das Werk geschlossen würde. Ich bin noch jung, im Notfall arbeite ich auf dem Fischkutter, aber eigentlich würde ich schon gerne hier arbeiten.“

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