Norbert Emmerich, der Zweite Bürgermeister von Gelsenkirchen, ist nach nur sieben Monaten im Amt abgewählt worden. Der AfD-Politiker verlor sein Amt am Donnerstag im Stadtrat durch einen Abwahlantrag von SPD, CDU, Grünen und FDP. 47 Stadtverordnete stimmten für die Abwahl, 18 dagegen. Die Oberbürgermeisterin Andrea Henze (SPD) hatte die Abwahl unterstützt.
Hintergrund: Putz-Aktion in Ückendorf
Der Abwahl vorausgegangen war eine umstrittene Aktion der Gelsenkirchener AfD. Die AfD-Chefin Enxhi Seli-Zacharias, deren Stellvertreter Emmerich ist, hatte Anwohner mit Migrationshintergrund aufgefordert, die Straße zu putzen. Die Partei filmte die Aktion und veröffentlichte das Video in den sozialen Medien. Ein breites Bürgerbündnis um Ex-Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) und Kirchenvertreter kritisierte die Aktion als demütigend und rassistisch und forderte Emmerichs Abberufung.
Abwahl mit Zweidrittelmehrheit
Für die Abwahl war eine Mehrheit von mindestens 45 der 66 Mandate nötig. Die AfD hat 20 Sitze, zwei Fraktionsmitglieder fehlten bei der Abstimmung. SPD, CDU, Grüne und FDP haben zusammen 37 Mandate, benötigten aber zusätzliche Stimmen aus anderen Fraktionen. Die Koalition aus SPD, FDP und Grünen erklärte: „Mehr als zwei Drittel der gewählten Vertreter haben sich zur demokratischen Grundordnung und zur Achtung der Menschenwürde bekannt. Eine Zweidrittelmehrheit ist eine hohe Hürde. Dass wir sie genommen haben, zeigt: In Gelsenkirchen steht ein überparteiliches demokratisches Spektrum zusammen, das öffentliche Diffamierung und Demütigung nicht hinnimmt.“
Emmerich: Abwahl erwartet
Emmerich selbst sagte der „WAZ“, er habe seine Abwahl schon „vor einem halben Jahr erwartet“. Die Parteiaktion sei nur ein „willkommener Anlass“ gewesen. Er bleibt Fraktionsvorsitzender der AfD im Stadtrat.
D’Hondt-Verfahren brachte Emmerich ins Amt
Emmerich war im Dezember 2025 überraschend zum Zweiten Bürgermeister gewählt worden. Bei der geheimen Abstimmung entfielen 23 Stimmen auf den 72-jährigen ehemaligen Bankkaufmann – drei mehr, als die AfD Sitze hat. Dies war durch das D’Hondt-Rechnungsverfahren möglich, das für den Kandidaten der CDU, Werner Wöll, nur die Hälfte der Stimmen wertete. Wöll kam rechnerisch auf 21,5 Stimmen und unterlag Emmerich. Nach der Abwahl Emmerichs wählte der Stadtrat Wöll zum neuen Zweiten Bürgermeister.
Reaktionen und Ausblick
Die Abwahl wurde im Stadtrat mit Beifall aufgenommen. Die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen betonten, dass dies kein parteipolitischer Moment sei, sondern ein notwendiger Akt zum Schutz gemeinsamer Werte. Emmerich hatte in seinen sieben Monaten im Amt keinen einzigen offiziellen Termin wahrgenommen.



