Wer mit 40 Jahren beginnt, systematisch für den Ruhestand vorzusorgen, kann seine spätere Rente deutlich aufbessern. Finanzexperten empfehlen dabei eine Kombination aus drei Strategien: konsequentes Sparen, Investition in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) und die Nutzung steuerlicher Vorteile. Diese drei Bausteine können helfen, die Rentenlücke zu schließen, die nach aktuellen Berechnungen bei vielen Beschäftigten mehrere hundert Euro pro Monat beträgt.
Zwangssparen als Grundlage
Der erste Schritt ist ein automatischer Sparplan, der als Zwangssparen funktioniert. Dabei wird monatlich ein fester Betrag direkt vom Girokonto auf ein separates Depot oder ein Sparkonto überwiesen. Laut einer Analyse der Deutschen Bundesbank sparen Deutsche im Schnitt nur etwa 10 Prozent ihres Nettoeinkommens, für eine ausreichende Altersvorsorge wären jedoch 15 bis 20 Prozent notwendig. Ein Sparplan mit 200 bis 300 Euro monatlich ab dem 40. Lebensjahr kann bei einer angenommenen Rendite von 5 Prozent bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren ein Vermögen von rund 150.000 bis 250.000 Euro aufbauen.
Der Vorteil des Zwangssparens liegt in der Automatisierung: Man gewöhnt sich an den geringeren verfügbaren Betrag und vermeidet, dass das Geld für Konsum ausgegeben wird. Finanzberater empfehlen, den Sparplan direkt nach dem Gehaltseingang auszuführen, um die Disziplin zu erhöhen.
ETFs: Der Schlüssel zu höheren Renditen
Für die Anlage des gesparten Geldes sind breit gestreute ETFs die erste Wahl. Sie bilden Indizes wie den MSCI World oder den DAX ab und bieten so eine Renditechance, die deutlich über der von Tagesgeld oder Sparbüchern liegt. Historisch erzielten weltweite Aktienindizes eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7 bis 8 Prozent vor Inflation. Bei einer Anlagedauer von 25 bis 30 Jahren gleichen sich Kursschwankungen aus, sodass das Risiko langfristig überschaubar bleibt.
Ein Beispiel: Wer ab 40 Jahren monatlich 300 Euro in einen MSCI-World-ETF investiert, kann bei 7 Prozent Rendite bis zum 67. Lebensjahr auf ein Kapital von etwa 340.000 Euro kommen. Davon entfallen nur 97.000 Euro auf eigene Einzahlungen, der Rest ist Zinseszins. „Der Zinseszinseffekt ist das mächtigste Werkzeug für die Altersvorsorge“, sagt der Finanzökonom Markus Schmidt von der Hochschule für Finanzwirtschaft in München.
Steuertricks: Mehr Netto vom Brutto
Die dritte Säule ist die steuerliche Optimierung. Insbesondere die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge (bAV) bieten Zuschüsse und Steuervorteile, die die Rendite erhöhen. Bei der Riester-Rente gibt es jährliche Grundzulage von 175 Euro pro Person und 185 Euro pro Kind, die auch bei niedrigen Eigenbeiträgen gewährt wird. Zusätzlich können Beiträge bis zu 2.100 Euro jährlich als Sonderausgaben abgesetzt werden, was die Steuerlast senkt.
Bei der bAV wird ein Teil des Bruttogehalts in die Altersvorsorge umgewandelt, wodurch sich das zu versteuernde Einkommen reduziert. Viele Arbeitgeber zahlen zusätzlich einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent – seit 2019 gesetzlich vorgeschrieben. Ein Beispiel: Bei einem Grenzsteuersatz von 35 Prozent spart ein Arbeitnehmer mit 200 Euro monatlicher Entgeltumwandlung etwa 70 Euro Steuern und Sozialabgaben, sodass die tatsächliche Belastung nur 130 Euro beträgt.
Steuerfreie Entnahme und Flexibilität
Ein weiterer Trick ist die Nutzung der 15-Prozent-Regel bei der Entnahme. Wer bei Rentenbeginn einen Teil des Kapitals in eine sofort beginnende Leibrente umwandelt, kann 15 Prozent des eingezahlten Kapitals steuerfrei erhalten. Alternativ kann man das Kapital in einem ETF-Depot belassen und nur die jährlichen Gewinne versteuern, was die Steuerlast über die Jahre verteilt.
Zudem sollten Anleger die 25-prozentige Teilfreistellung bei Aktienfonds nutzen: 25 Prozent der Erträge bleiben steuerfrei, da sie als Abgeltung für die bereits gezahlte Körperschaftsteuer der Unternehmen gelten. Das reduziert die effektive Abgeltungssteuer von 26,375 Prozent auf rund 19,8 Prozent.
Individuelle Strategie entscheidend
„Es gibt keine Einheitslösung für die Altersvorsorge. Die richtige Strategie hängt von Einkommen, Risikobereitschaft und Lebensumständen ab“, betont Schmidt. Für Gutverdiener können auch private Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht interessant sein, während für Selbstständige das Basis-Rentenmodell (Rürup) attraktiv ist, da Beiträge unbegrenzt absetzbar sind. Ein Steuerberater kann helfen, die optimale Kombination zu finden.
Wichtig ist, frühzeitig zu handeln. Jedes Jahr, das verstreicht, ohne dass gespart wird, kostet potenzielle Rendite. Wer mit 40 beginnt, hat noch rund 25 Jahre Zeit, um von Zinseszins und Marktwachstum zu profitieren. Eine regelmäßige Überprüfung der Anlagestrategie alle zwei bis drei Jahre stellt sicher, dass sie zu den aktuellen Lebensumständen passt.
Fazit: Drei Säulen für den Ruhestand
Zusammenfassend lässt sich sagen: Zwangssparen schafft die Grundlage, ETFs sorgen für Wachstum, und Steuertricks erhöhen die Effizienz. Wer diese drei Bausteine kombiniert, kann die Rentenlücke deutlich verkleinern. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge beträgt die durchschnittliche Lücke 520 Euro pro Monat – ein Betrag, der mit einer disziplinierten Strategie machbar erscheint.
Es lohnt sich, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, aber auch einfache Online-Rechner können eine erste Einschätzung geben. Entscheidend ist der Start – und der sollte idealerweise heute erfolgen, nicht morgen.



